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24 Std EKG Auswertung

Autor
Datum
Mara
22.01.2021, 14:20 Uhr

Ich bin w, 46, keine Medikamente, keine Herzprobleme, habe aber seit 3 Jahren Herzstolpern und Herzrasen. Heute habe ich das Ergebnis meines zweiten 24hEkgs erhalten, welches mich sehr verunsichert hat.
Im Analyse Ergebnis ist angegeben:
Gesamte normale Schläge: 131734
SVES: 19 - 0,014% von ges. Schläge
SVTs: 1 längste 5 Schläge um.... Uhr
höchste HF 182/min. um 0.05 Uhr (wobei die Angaben längste 5 Schläge um.... Uhr und höchste HF 182/min. um 0.05 Uhr durchgestrichen/xxxxxx wurden)
Ergebnis :
Regelmäßiger tachykarder Sinusrhythmus
HF 71-148/min, mittlere HF 93/min.
3 VES, keine Salven
19 SVEs, keine Pausen
1 supraventrikuläre Tachykardie mit 10 Schlägen und einer HF von 183/min. um 0.05 Uhr
Grenzwertg erniedrigte Herzfrequenzvariabilität (85)

24h Triangel Index: 29
sNN50: 1355 Verlängerungen (RR Intervalle über 50 ms) standardisiert auf 24 Std.

Mein Hausarzt konnte mir die gestrichenen Angaben nicht erklären, fand in den Kurvenaufzeichnungen auch keine Hinweise darauf.

Können Sie mir etwas genauer erklären, was das alles bedeutet? Gibt es Messfehler bei 24-std.EKGs? Oder wurde da etwas verwechselt? Da die max. HF mit 148/min um 11.04 Uhr angegeben ist. Die auswertende Praxis konnte oder wollte man mir keine Auskunft geben, ausser: die Angaben wären korrekt.

Dr. med. Jürgen Fritsch
24.01.2021, 11:25 Uhr

Sehr geehrte Mara,

Langzeit-EKGs werden computerisiert analysiert und anschliessend durch einen Auswerter nachbearbeitet. Die Aufzeichnungsqualität ist für die Auswertbarkeit sehr entscheidend. Wenn die Elektroden keinen abolut festen Sitz haben und die Kabel durch Klebestreifen zugentlastet sind treten mehr oder weniger viele sogenannte Artefakte auf, die zu Fehlern führen können. Die vom Computer ermitteltete und per Hand gestrichene maximale Herzfrequenz von 183/min mitten in der Nacht spricht für einen solchen Artefakt. Normalerweise würde man das mit dem Computer umeditieren. Wenn es aber zu viele Fehler sind, ist das aus zeitlichen Gründen kaum möglich. Dann korrigiert man das schon mal im Nachhinein per Hand. Wenn die Aufzeichnung aber nicht absolut fehlerfrei ist stimmen natürlich auch die ermittelnen Werte für die Herzfrequenzvariabilität nicht. Die Herzfrequenzvariabilität beschreibt die Schwankungen der Herzfrequenz von Schlag zu Schlag (Literatur dazu: Deutsches Ärzteblatt 96, Heft 31–32, 9. August 1999 (45). Die Werte sind abhängig von dem Vorhandensein von Herzerkrankungen, der Einnahme von Medikamenten, dem Fitness- oder Stresszustand. Zusätzlich gibt es auch eine relativ große interindividuelle Variabilität. Die ermittelten Werte bei Ihnen liegen noch im Rahmen der Norm. Wie gesagt, die Zuverlässigkeit der ermittelten Werte ist aber stark abhängig von der Genauigkeit der Auswertung und Klassifizierung der einzelnen Herzschläge. Das kann man aber nur beurteilen, wenn man die Aufnahme direkt einsehen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jürgen Fritsch
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie
Psychotherapie, Sportmedizin

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