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Antiarrhytmikum Dronedaron

Autor
Datum
Andi31
09.05.2020, 15:45 Uhr

Sehr geehrte Cardioexperten, lt Beipackzettel sollte nach dem permanenten Auftreten des Vorhofflimmerns die Behanlung mit Multaq beendet werden.Bei meiner Ehefrau (85 J.) die nach einer Elektrokardioversion(mit anschließender Reanimation) im Jahre 2017 regelmäßig Multaq einnimmt ,tritt erneut und zunehmend (ca.dreimal im Monat) paroxysmales Vorhofflimmern auf,das mit einer Erhöhung der Pulsfrequenz bis auf über 161/min.einhergeht,und die nach Wiederherstellung des Sinusrhytmus nicht selten bis unter 40/min.fällt. In diesem Zusammenhang stellt sich die berechtigte Frage,ob erstens im vorliegenden Fall von einem permanenten Vorhofflimmern die Rede sein kann,und zum anderem ob trotz der offensichtlichen Unwirksamkeit dieses Antiarrhytmikum die Rhytmuskontrolle mit den damit verbundenen erheblichen Nebenwirkungen fortgesetzt werden soll,oder ob eine Frequenzkontrolle nicht ausreichend wäre.Der zuständige Kardlologe hat dazu keine klare Meinung,und fokkusiert sein Behandlungskonzept ausschließlich auf eine,zweifelsohne notwendige Herzschrittmacherimplantation,wobei er trotz prorhytmischer Effekte dieses und anderer Antiarrhytmika für die angeschlagenen Gesundheit meiner multimorbiden Frau keine zusätzliche Gefahr erkennt. Für Ihre Zweitmeinung Im Voraus besten Dank. MfG Andi

Dr. med. Ingo Bläse
10.05.2020, 16:45 Uhr

Sehr geehrter Herr Andi, der erste Teil Ihrer Frage ist einfach zu beantworten. Wir sprechen von permanentem Vorhofflimmern, wenn keine regelmäßigen Phasen also keine Sinusrhythmusphasen auftreten, das Vorhofflimmern also dauerhaft, eben permanent, besteht. Dann ist Multaq nicht mehr indiziert. Ob Multaq jetzt die Anfallshäufigkeit oder Vorhofflimmerdauer, wir sprechen auch von Vorhofflimmerlast (burden) reduziert und damit zu einer Beschwerdebesserung beiträgt, ist unklar und nur durch einen Auslassversuch zu klären. Der zweite Teil der Frage ist schwieriger. Es hängt von dem Patienten/der Patientin, der Beschwerdesymptomatik, den Begleiterkrankungen und vielen anderen Dingen ab, welche Therapiestrategie die für Ihre Ehefrau die sinnvollste ist. Manche Patienten leiden hauptsächlich unter dem Wechsel des Rhythmus. Hier ist zu überlegen, ob man nicht permanentes Vorhofflimmern anstrebt und dann lediglich die Herzfrequenz medikamentös normalisiert. Ob ein Herzschrittmacher erforderlich ist, hängt auch ganz von den Begleitumständen im Einzelfall ab. Häufig ist ein Herzschrittmacher für die Therapie hilfreich. Weitere Möglichkeiten wären eine Umstellung der antiarrhythmischen Therapie auf das sicher mit vielen potenziellen Nebenwirkungen behaftete Amiodaron oder gegebenenfalls auch eine Pulmonalvenenisolation, die im Alter Ihrer Ehefrau jedoch eine geringere Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten und Sie müssen mit Ihrem Kardiologen alle Themen ansprechen und dann zusammen die für Ihre Ehefrau beste Entscheidung treffen. Mit freundlichen Grüßen Dr. I. Bläse

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