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Diagnose Herz CT

Autor
Datum
sniggel73200
18.06.2018, 14:13 Uhr

Guten Tag ,
ich bin 45 Jahre alt, noch nie geraucht, regelmäßig Sport, Vater mit 56 gestorben, Ursache unklar.
Habe normale Cholesterinwerte.
Aufgrund von erhöhten Verkalkungen nun im Mai erneute Herz-CT-Untersuchung mit folgender Diagnose: (Ich würde Sie bitten, mir dies alles in einer auch für MICH verständlichen Weise zu erklären. Vielen Dank im Voraus !)

Homogene Belüftung des Lungenparenchyms ohne flächige pneumonische Infiltrate, bronchialkarzinomverdächtige oder metastasenverdächtige Herdbefunde. Keine Bronchiektasen, keine Schleimimpaktionen, keine Lungenfibrose. Keine Bullae. Kein Pleuraerguss.
Hilär bzw. mediastinal keine Lymphome. Normalkalibrige Aorta thoracalis deszendens ohne artoreiosklerotische Wandveränderungen.
Altersentsprechender miterfasster BWS Abschnitt.

Bei einem KALK SCORE von 208 (LM 0, LAD 153, CX 55, RCA 0) liegen nach Agatson "mässiggradige Koronararterienverkalkungen" vor. Statistisch gesehen ist das Vorliegen einer stenosierenden KHK möglich,
Der Kalkwert platziert den Patienten über die 90er Perzentile für sein Alter.

Normale biatriale und biventrikuläre Diameter mit einem LVEDD von 50 mm.
Keine ausgedünnten Myokardsegmente. Keine intrakavitären Zusatzstrukturen. Zustand nach interventionellem Verschluss eines Vorhofseptumsdefektes. Mitralklappe und Aortenklappe ohne Verkalkungen. Normalkalibrige mediastinale Leitgefäße mit einem Aszendens Durchmesser von 29 mm. Keine zentrale Lungenembolie. Orthotope Mündung d.

Fortsetzung zu meinem Befundbericht mit der Bitte um "Übersetzung " des Berichtes den auch ICH dann verstehen kann:
.....Orthotope Mündung der Pulmonalvenen.
Kein Perikarderguss, keine perikardialen Verkalkungen.

HAUPTSTAMM :
Im distalen Hauptstamm, übergreifend auf LAD und Circumflexa jeweils eine flache arteresultieiosklerotische Läsion ohne begleitende atheromatöse Komponente mit resultierender minimaler Kaliberreduktion jedoch keine relevanter Stenosierung.

LAD :
Im proximalen Drittel mehrere flache arteriosklerotische Läsionen .Im Übergang auf das mittlere Drittel auch Nachweis einer flachen athromatöse Wandläsion.
Insgesamt resultieren lediglich Kaliberunregelmäßigkeiten.
Anschließend Kontrastierung des Gefäßes bis zur Herzspitze.
Unauffällige Diagonaläste 1 und 2, die die mittventrikuläre Lateralwand erreichen .
Die weiteren Diagonaläste sind lumenschwach.

CX :
Großkalibriges Gefäß bei linksdominantem Versorgungstyp mit Übergang auf den Ramus interventricularis posterior.
Abgangsnah in der Circumflexa Nachweis zweier flacher arteriosklerotischer Wandläsionen ohne begleitende atheromatöse Komponente .
Es resultieren lediglich Kaliberunregelmäßigkeiten.
Ansonsten unauffälliges CX System.

RCA :
Eher kaliberschwaches Gefäß mit Übergang auf einen Ramus ventrikularis dexter.
Als schmales Gefäß wird auch die hintere AV Grube erreicht,
Stenosierende Wandläsionen liegen nicht vor

Dr. med. Ingo Bläse
19.06.2018, 20:26 Uhr

Sehr geehrter Herr sniggel73200,
es ist schon befremdlich, wenn in solch einem Forum ein Befund erklärt werden muss. Jemand hat doch die Untersuchung veranlasst und in meinem Verständnis gehört die verständliche Erklärung des Befundes zu den grundsätzlichen Aufgaben des Arztes Ihres Vertrauens, der Sie darüber hinaus kennt und die Befunde dementsprechend einordnen und werten kann.

Eine wortwörtliche "Übersetzung" des Befundes halte ich nicht für sinnvoll und möchte mich auf die Quintessenz, soweit beurteilbar, beschränken.

Im Bereich der Lunge und der Brustorgane ohne Herz wurden keine Auffälligkeiten beschrieben. Auch das Herz ohne Herzkranzgefäße stellt sich unauffällig dar. Erwähnenswert ist nur, dass früher ein Loch in der Vorhofscheidewand verschlossen wurde.

Der Kalkscore addiert die Verkalkungen die in den Herzkranzgefäßen und stellt diese in das Verhältnis zu Männern Ihres Alters. 90% der Vergleichsgruppe weist weniger Kalk in den Herzkranzgefäßen auf als Sie.

Da der Kalkscore keinen Aufschluss über eventuelle relevante Veränderungen in den Herzkranzgefäßen aussagt, wurde zur Beantwortung dieser Frage zusätzlich Kontrastmittel verabreicht. Entsprechend den beschriebenen Verkalkungen fanden sich hauptsächlich Ablagerungen/Veränderungen in der Vorderwandarterie (LAD) und in der Hinterseitenwandarterie (CX/RCX). Diese Ablagerungen führen jedoch nicht zu einer relevanten Verengung der Gefäße, sodass keine Aufweitung erforderlich zu sein scheint.

Insgesamt also überaltersgemäße Kalkablagerungen ohne derzeitige Therapienotwendigkeit. Ich möchte nur hinzufügen, dass eine Optimierung der Risikofaktoren (Rauchen, Cholesterinwerte, Bewegung, Blutdruck etc.) angeraten erscheint.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. I. Bläse

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