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EPU

Autor
Datum
Olli91
26.04.2019, 11:39 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Zünndorf

Erstmal Entschuldigung für meine erneute Frage

Mir ist dieses Jahr folgendes passiert. Am 14.02. hatte ich durch eine Extrasystole persistierendes Herzrasen und wurde in die Notaufnahme eingewiesen. Dort wurde der Verdacht auf AVNRT gestellt und mir Adenosin gespritzt bis zu 12mg zweimalig. Nach einer Horror-Nacht im Krankenhaus wurde ich zur EPU überwiesen in das Krankenhaus Köln Porz. Knapp eine Woche später hatte ich erneut so einen Anfall und würde erneut in die Notaufnahme eingewiesen. Nun sprach die Ärztin da von einer maligne Herzryhtmusstörung und Spritze mir bis zu 24mg Adenosin womit mein Puls aber erst auf der Station von alleine wieder runterging was ja eher für eine Sinustachykardie spricht, da langsamer Abfall. Nun war ich komplett verunsichert, weil die Diagnose nun AVNRT concealed WPW hieß. Der Chefarzt des Krankenhauses erklärte mir am Tag darauf ich hätte falsche Zündkerzen am Herzen was mich abermals verwirrte. Ich würde entlassen und mein Termin der EPU auf den 07.03. verlegt. Nun bin ich also einen Tag vor der EPU wieder ins Krankenhaus in Köln Kalk gefahren und wurde dann am 07.03. Morgens nach Porz gefahren. Vor der EPU hatte ich solche Angst das ich Propofol für die Untersuchung verlangte, was ich aber nicht wusste und daher auch eine meiner Fragen. Beeinflusst das verschlafen der EPU das Ergebnis? Auf dem Entlassungsbrief stand folgendes

Zum Untersuchungsbeginn Tachykarde Sinusrythmus mit Herufrequenz von 110 bpm. Programmierte Ventrikel-Stimulation: keine anhaltende ventrikuläre Arrythmie auslösbar. Und damit kein Anhalt für akzessorische Leitungsbahn, AVWBP 430m, AVERP 360ms (nach fraktionierter Gabe von Orciprenalin), WBP 310ms, ERB 240 ms. Unter Vorhof Stimulation auch nach Gabe von Orciprenalin i. v. keine duale AV-Knoten Physiologie, keine anhaltende Tachykardie auslösbar.

Nach der EPU und vor der EPU wurden ein EKG plus Herzecho gemacht. Das Herzecho nach der EPU zum Ausschluss eines Perikardergusses.

Nehmen Sie mir das bitte nicht übel aber ich bin momentan sehr verwirrt, weil ich nicht weiß was los ist. Mein Kardiologe sagt das es alles psychisch ist hat mir allerdings 5mg Bisoprolol verschrieben da ich fast jeden Tag kurze Herzrasenanfälle habe meistens in Verbindung mit starken Adrenalinschüben. Diesen habe ich bis jetzt einmal genommen da ich schon bei einem halben für knapp zwei Tage außer Gefächt bin also er wirkt bei mir sehr stark sag ich mal so. Zudem hatte er mir vor dem Betablocker Tavor verschrieben das ich nun gerne wieder absetzen würde.

Gestern hatte ich einen Tag mit sehr viel Herzstolpern und immer, wenn ich aufgestanden bin ging mein Puls auf knapp 100 dabei hatte ich das Gefühl das der Puls sehr schwankt, habe jetzt total Angst vor Vorhofflimmern, weil die Pulsschwankungen schon sehr stark waren, zudem diese starken Herzstolperer die sich anfühlten wie ein Zusammenziehen im Magen das auch im Hals verspürbar war. Auch hatte ich sin starkes Puckern im Ohr.

Wie gesagt ich bin momentan total verwirrt wegen gefühlten zwanzig Diagnosen und ich weiß nicht was ich glauben soll. Ich weiß das ich starke psychische Probleme habe aber das ist alles nicht grade förderlich und das mich kein Arzt vernünftig aufklärt macht mich kirre. Das einzige was ich noch weiß nach der EPU ist das der Rhymtologe mir sagte er könne halt den Sinus Knoten nicht abladieren da er mir dann auch direkt einen Schrittmacher einsetzen könnte, mehr habe ich durch das Propofol nicht mehr in Erinnerung und ich möchte ihm dies auch nicht vorwerfen da er mit Sicherheit seinen Job gut gemacht hat, dennoch bin ich durch den Wind durch dieses ganze Durcheinander an Diagnosen.

Habe total Angst einfach umzukippen, weil ich oft Benommenheit und Schwindel Anfälle habe meist Drehschwindel. Alles sehr komisch

Ich hoffe Sie können evtl. Licht ins dunkle bringen

Viele liebe Grüße

Dr. med. Peter Zündorf
01.05.2019, 16:55 Uhr

Hallo "Olli91",

kein Problem wegen Ihrer Nachfrage, ich verstehe, dass Sie verwirrt sind.

Gleichzeitig bitte ich um Entschuldigung wegen meiner späten Antwort; letzte Woche war Kardiologenkongress, da hat sich vieles zeitlich zusammengedrängt.

Der zentrale Punkt ist Ihr EPU-Bericht, ich zitiere ihn noch mal nach Ihnen:

"Zum Untersuchungsbeginn Tachykarde Sinusrythmus mit Herzfrequenz von 110 bpm. Programmierte Ventrikel-Stimulation: keine anhaltende ventrikuläre Arrythmie auslösbar. Und damit kein Anhalt für akzessorische Leitungsbahn, AVWBP 430m, AVERP 360ms (nach fraktionierter Gabe von Orciprenalin), WBP 310ms, ERB 240 ms. Unter Vorhof Stimulation auch nach Gabe von Orciprenalin i. v. keine duale AV-Knoten Physiologie, keine anhaltende Tachykardie auslösbar."

Das heißt mit einem Wort: es gibt keine pathologischen Leitungsbahnen und keine Neigung zu gefährlichen Rhythmusstörungen.

Da bei einer EPU sehr intensiv getestet werden kann, ist das eine für Sie eine entsprechend weitgehende (!) Absolution bzw. Persilschein.

Insbesondere ist damit ausgeschlossen eine AV Re-Entry-Tachykardie (und als Sonderfall davon auch ein "concealed WPW"), eine AV-Knoten-Reentry-Tachykardie, sowie eine Neigung zu gefährlichen ventrikulären Extrasystolen.

Damit ist auch das Gerede von der "malignen" Herzryhtmusstörung überholt.

Von Vorhofflimmern war doch bisher gar nicht die Rede, oder? Ich kann mich nicht 100%ig ein Ihre alte Schilderung erinnern.

Aus meiner Sicht bleibt die Neigung zu Sinustachykardie, die letztlich völlig harmlos ist und durch eine angepasste Dosis von Bisoprolol fast immer gut kontrolliert werden kann - aber aus rein medizinischer Sicht nicht muss, weil damit keine Gefahr verbunden ist.

Vielleicht versuchen Sie einmal die Dosis zu variieren, weniger oder mehr zu nehmen, vielleicht ist es auch besser für Sie, wenn Sie es abends einnehmen statt morgens, oder jeweils ½ Dosis morgens und abends.

Diese Maßnahmen können natürlich Ihre genannten psychischen Probleme nicht behandeln - aber die Herzsensationen sind harmlos und allenfalls Ausdruck Ihrer erhöhten Nervosität und Neigung zu Panik.

Dort, bei Nervosität und vermutlich Angststörung, liegt der Hase im Pfeffer, da muss im Wesentlichen therapiert werden.

Seien Sie also bitte kardial (= herzbezogen) beruhigt, setzen Sie Bisoprolol in der optimal für Sie wirksamen Dosis ein und verfolgen vor allem Ihre psychotherapeutische Behandlung weiter.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Dr. Peter Zündorf, Hannover

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