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Erholung der Herzfrequenz nach Belastung

Autor
Datum
Robert_ABC
04.01.2021, 19:36 Uhr

Hallo zusammen,

aufgrund einer hypochondrischen Störung achte ich seit einem Jahr verstärkt auf meinen Herzschlag.
Dabei ist mir aufgefallen, dass mein Puls trotz regelmäßiger sportlicher Betätigung teilweise relativ lange benötigt, um wieder den "Alltagspuls" zu erreichen. Je nach Tagesform dauert es 1-3 oder selten auch 4-5 Std. ehe ich wieder auf einer Frequenz von 60 angekommen bin.

Nach der Belastung sinkt die Frequenz in etwa 5 Min auf unter/etwa 100, danach ist die Senkung jedoch nur noch allmählich, also nach 1 Std. 80, nach 2 Std. 70 usw. Außerdem reagiert mein Puls auf Alltagsbelastungen wie Stehen oder Kochen während dieser Erholungsphase "stärker" als sonst.

Wie gesagt treibe ich regelmäßig Sport und fühle mich auch jeweils sehr fit und nicht beeinträchtigt, auch andere Leute sehen mich als fit an.

Aufgrund der Ängste wurde ich vergangenes Jahr 2x kardiologisch untersucht (Echo + Belastungs-EKG). Außerdem Langzeit EKG beim Hausarzt sowie diverse Ruhe-EKG. Vor 10 Jahren auch schon einmal mit 18 Echo und Belastungs-EKG, alles ohne Befund.

Woran kann die langsam sinkende Frequenz liegen? Gesund bin ich ja scheinbar

Im Internet findet man viele Quellen, wo steht, dass die Frequenz bei Gesunden nach dem Sport binnen weniger Min auf "Normalwert" sein sollte.

Danke

Dr. med. Peter Zündorf
06.01.2021, 06:09 Uhr

Hallo Robert_ABC,

danke für Ihre Anfrage.
Zuerst möchte ich feststellen, dass die Rolle des Pulses individuell sehr unterschiedlich ist und der Puls durch die leichte Verfügbarkeit der Messung (Plus Uhren, Fitness Armbänder etc.) eher überbewertet wird.
Trotzdem kann man natürlich gewisse Hinweise aus dem Pulsverhalten ziehen. Ein wichtiger Punkt ist die Herzfrequenzvariabilität, möglichst nach Durchführung einer sogenannten Fournieranalyse. Dann kann man verschiedene Segmente abgrenzen, die Hinweise auf jeweiligen Einfluss der verschiedenen Anteile des vegetativen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus = Vagus) geben. Haben Sie dazu eigene Daten?
Ich vermute aufgrund Ihre Einleitung (hypochondrische Störung), dass bei Ihnen der Sympathikus relativ stark ausgeprägt ist als Zeichen eines gewissen Dauerstress. Das führt zu einer relativen Erhöhung der Herzfrequenz und auch zu einem verzögerten Abfall auf das Ruhepuls-Niveau. Offenbar liegt es nicht daran, dass Sie nicht ausreichend trainieren würden, und ich empfehle Ihnen auf jeden Fall, dieses weiterzuführen. Es ist eine ausgezeichnete Form der Stressbewältigung.
Möglicherweise sollten Sie sich aber mit dem Thema Stressbewältigung noch eingehender auseinandersetzen, siehe Achtsamkeit, Yoga, Meditation, Musik, Tanz, Wanderungen in der Natur, Übungen in Gelassenheit etc.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

Viele Grüße aus Hannover

Dr. Peter Zündorf

Dr. med. Peter Zündorf
06.01.2021, 06:12 Uhr

PS: ich gehe davon aus, dass Ihre Laborwerte in Ordnung sind, insbesondere Schilddrüse, Blutbild, Eisenstatus!?
Dr. Peter Zündorf

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