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Extrasystolen

Autor
Datum
Elfi70
31.03.2019, 18:54 Uhr

Sehr geehrtes Expertenteam,

ich bin 48 Jahre alt und habe

seit 1995 Herzrhythmusstörungen. Ich fühlte mich mich nie so richtig ernst genommen, da die EKGs immer ok waren.

2007 bekam ich dann auf mein Betteln hin für einen Monat einen

Eventrekorder. Darauf wurden Tachykardien aufgezeichnet und ich sollte sofort ins Krankenhaus kommen.

Ein Katheder Ablationsversuch, damals noch bei vollem Bewusstsein, verlief frustan. Die Tachykardien konnten in der EPU nur ganz kurzzeitig ausgelöst werden und wurde in der linken Seite vermutet ( ektope atriale Tachykardien) daher war eine Verödung nicht möglich. Von einer Linksherzkatherablation wurde mir damals noch abgeraten. Ich sollte mal noch 10 Jahre warten, bis die Behandlung Risiko ärmer sei.

Anschließend bekam ich Flecainid 3x 50mg und 1,25mg Bisoprolol verordnet, welche mir endlich eine große Erleichterung verschafften und ich nur noch ganz selten Herzstolpern verspürte. Ich war so froh.

Dieses habe ich dann insgesamt 12 Jahre eingenommen.

2014 traten meine Beschwerden dann plötzlich wieder Episodenweise auf. In sämtlichen Langzeit EKG’s sind dann aber immer nur ventrikuläre Extrasystolen zu sehen gewesen. Es war zu dem Zeitpunkt noch erträglich und ich hatte immer wieder Ruhephasen. Meist ausgelöst durch Infekte, Stress, Schlafmangel, hormonell bedingt oder auch Reizklima.

Letztes Frühjahr wurde es dann aber schlimmer und ich wurde auf Verapamil umgestellt. Das Stolpern war so gut wie weg, aber dafür hatte ich das Gefühl das mir der Kreislauf absackte und anschließend schoss mir ständig der Puls in die Höhe vor allem schon bei geringer Belastung aber auch im Ruhestand. Ich wurde wieder umgestellt auf Flecainid 3x 50mg und 2,5 mg Bisoprolol. Es wurde etwas besser, aber Episodenweise kam es doch immer wieder. Der Ruhepuls war ständig bei nur bei 44 und der Blutdruck schwankend. Mal 110/60 dann wieder 160/85 oder höher ( meist in Folge der Extraschläge) immer total unterschiedlich.

Nun habe ich aber seit Anfang Januar anhaltend Tag und Nacht Extrasystolen, die ich als massiv belastend empfinde wie noch nie. Ich war ein paar mal in der Notaufnahme, aber dann war nie etwas zu sehen. Ich trug wieder einen Eventrekorder und ein EKG für eine Woche. Zu sehen waren VES. Mal 3.000 mal weniger.

Trotzdem wurde dann letzen Monat erneut ein Katheder ( links und rechts und Mapping) Ablationsversuch diesmal unter Sedierung durchgeführt, da die VES für mich so belastend sind. Auch diesmal war leider nichts auflösbar in der EPU. Für mich brach eine Welt zusammen. Für den Arzt nicht nachvollziehbar. Er sagte ich könnte doch froh sein, dass organisch alles ok ist. Das bin ich natürlich auch, aber es ändert leider nichts an meinen unerträglichen Beschwerden. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr mich diese VES belasten.

Das Flecainid wurde daraufhin abgesetzt, da die Tachykardien von 2007 bis heute nie mehr bestätigt wurden. Das Bisoprolol auf 2,5 mg erhöht. Ich kam nicht zurecht und nach zwei Wochen war ich wieder da und lag stationär auf der Kardiologie.

Es wurden nacheinander zwei Antiarhythmika (Sultanol und Multaq)ausprobiert, die aber keine Wirkung zeigten, sondern nur starke Nebenwirkungen auslösten. Es wurde mir dann geraten nichts zu nehmen bis auf das Bisoprolol, da es ja im Grunde wie mit „Kanonen auf Spatzen schießen wäre“. Ich kann das aus Sicht der Arte vollkommen nachvollziehen und bin ja selber nicht wild drauf solche starken Herzmedikamente zu nehmen, aber so kann ich nicht unbeschwert mehr leben. Ich bin absolut nicht zimperlich und habe leider schon so einiges an OPs und unangenehmen Untersuchungen durchstehen müssen in meinem Leben, aber das Herzstolpern ist für mich unerträglich.

Ich empfinde es anders, als das was die EKGs zeigen. Über Stunden anhaltend, als wenn jeder zweite Schlag ein Doppelschlag ist. Mein Mann kann mein Herz horchen und bestätigt mein Gefühl.

Dort müssten dann doch eigentlich viel mehr VES zu sehen sein. Sieht man dort immer nur die Gesamtzahl in den 24 Stunden oder auch wie häufig es in manchen einzelnen Minuten ist?

Mir wird gesagt ich muss jetzt so damit Leben.

Mein Leben ist aber dadurch zum Alptraum geworden. Ich nehme jetzt seit Wochen Johanniskraut, Lasea, Baldrian, Rhodiolan um mein vegetatives Nervensystem zu beruhigen, da ich Hoffnung hatte, es würde damit vielleicht besser werden, aber leider hilft es nicht. Ebenso Tromcardin. Ich bin total verzweifelt und weiß nicht mehr weiter. Was kann ich bloß noch tun?

Dr. med. Karl-Friedrich Schmitz
01.04.2019, 20:44 Uhr

Sehr geehrte "Elfi",

vielen Dank für die Frage. Die von Ihnen geschilderte Problematik ist doch recht komplex und ich fürchte, aufgrund Ihrer Schilderungen mit bereits vielfach durchgeführten medikamentösen und elektrophysiologischen Aktionen ist eine einfache Beantwortung nicht möglich. Vielleicht sollten Sie doch noch einmal mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem niedergelassenen Kardiolgen überlegen, ob man Sie mit allen Vorbefunden in einem anderen, speziell elektrophysiologisch ausgerichteten Zentrum vorstellt und dort noch einmal die weiteren Möglichkeiten bespricht und sich eine zweite Meinung einholt.

Viele Grüße

K.F. Schmitz

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