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Extrasystolen

Autor
Datum
Roche
29.10.2018, 20:27 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren
Mein Name ist Kai Z. und ich bin 35 Jahre alt.
Seit Mitte letzten Jahre (Mai 2017) leide ich immer wieder mal unter Panikattacken.
Was mittlerweile nicht schlimm ist, da ich diese gute unter Kontrolle habe.
Aber seit dem machten sich aber auch das erste Mal Estrasystolen bemerkbar.
Von denen ich vorher eigentlich nichts wusste.
In dieser Phase meines Lebens ging ich sprichwörtlich durch die Hölle. Jedenfalls solange bis ich endlich wusste was mit mir los ist. Daraufhin ging ich natürlich auch zum Kardiologen um mal meine "Pumpe" unter die Lupe nehmen zu lassen.
EKG, Belastungs-EKG ,Langzeit-EKG und Herzecho wurden gemacht und auch Extrasystolen auf dem Langzeit-EKG
aufgenommen. Aber der nette Kardiologe gab Entwarnung und meinte mein Herz ist TipTop.
Ich fing mit Sport an und merkte das die Extrasystolen weniger wurden bin sie über mehrere Monate sogar ganz verschwanden.
Dann kamen die Panikattacken wieder, die eigentlich lange verschwunden waren. Und somit kamen die Extrasystolen wieder
da ich mich nicht mehr traute Sport zu machen, weil ich den Gedanken hatte das das mein Herz nicht aushält.
Befinde mich auch wieder in Psychotherapeutischer Behandlung. Manchmal war das so, dass ich dachte das Herz kommt nicht mehr in seinen Rhythmus, da es sich anfühlte wie mehrere Extrasystolen hintereinander. Das ging dann immer so 5-6 Sekunden. Was könnte das gewesen sein? Da ich verheiratet bin und 2 junge Söhne habe, ist es für mich umso schwerer, da mir bei Aktivitäten mit der Familie die Extrasystolen immer in die Quere kommen.
Davon mal abgesehen, dass mir die Herzstolperer Angst machen, fühlen sie sich echt mies an. Übrigens war ich dann auch ein zweites Mal wieder bei einem Kardiologen und da wurden die gleichen Untersuchungen gemacht. Befund..: alles super .Ich soll
Sport machen und Magnesium zu mir nehmen.
Jetzt zu meinen Fragen.... !
Muss ich mein Leben lang damit Leben?
Ist es denn möglich die ES weg zu bekommen?
Was tun wenn ich beim Joggen ES bekomme ( die ich auch schon beim Joggen bemerkt habe)
Wie hoch sind meine Chancen auf eine Herzkathederaplation? (Denn damit wäre das Problem aus der Welt).
Vielen Dank im Voraus.
Kai Z

 

Dr. med. Ingo Bläse
31.10.2018, 15:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Z.,
Sie stellen in Ihrer mail viele Fragen, die ich aus der Ferne jedoch nicht komplett beantworten kann.

Das 1. Problem bei Herzrhythmusstörungen ist die Ursache. Bei Ihnen scheint eine primär kardiale Ursache ausgeschlossen, was bezüglich der Prognose sehr gut ist. Mir ist jedoch unklar, ob eine Herzmuskelentzündung oder eine sonstige chronische Entzündung, die auch zu Herzrhythmusstörungen führen können, bereits ausgeschlossen wurden.

Ist auch das ausgeschlossen, kommt es auf die Häufigkeit (Quantität und Qualität) und den Ursprung der Extraschläge im Herzen an. Fast alle Menschen haben Extraschläge. Nur selten sehen wir ein Langzeit-EKG ganz ohne Unregelmäßigkeiten. Anhand dieser Kriterien wird eine Risikostratifizierung durchgeführt und die mögliche Therapie festgelegt. Dies geht von Abwarten bis zur Katheterablation, die jedoch nur selten erforderlich ist, gelegentlich mit Komplikationen führt und nicht immer den gewünschten Erfolg hat.

Die Therapie mit Kalium und Magnesium ist die erste Therapiestufe und führt häufig zu einer Reduktion der Extrasystolie. Der nächste Schritt wäre eine niedrig dosierte Betablockade, womit ich nicht selten einen guten Erfolg verzeichnen konnte.

Zusammenfassend hat fast jeder Mensch Herzrhythmusstörungen, die unterschiedlich bemerkt werden. Wichtig ist der Ausschluss einer organischen Ursache. Abhängig von Ihrer Symptomatik sowie der Qualität und der Quantität der Rhythmusstörungen muss dann mit Ihnen zusammen ein auf Sie zugeschnittener Therapieplan festgelegt werden.

In vielen großen Kliniken mit eigener Rhythmusabteilung gibt es mittlerweile Rhythmussprechstunden, wo Sie Ihr Problem mit einem Spezialisten, der diese Fragen häufig vorgelegt bekommt, erörtern können.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. I. Bläse

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