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Hoher Puls

Autor
Datum
EmmaMarie98
21.04.2020, 22:39 Uhr

Guten Tag, kurz zu meiner Person: ich bin fast 22 Jahre alt, weiblich, 57 kg, 1,70m und leide seit schon seit einigen Jahren an immer wiederkehrenden Tachykardien. Mittlerweile sind es aber nicht mehr nur Anfälle sondern über den ganzen Tag ist der Puls meist um die 90-110. Wenn ich stehe und laufe ist er teilweise bei 130/140... Manchmal am Abend ist der Ruhepuls auch mal zwischen 70 und 80, aber oft bleibt er auch bei ca 95. Ich habe bis auf eine EPU schon alle Herzuntersuchungen mindestens einmal durchgemacht, bei denen nur Sinustachykardien festgestellt wurden. Im Langzeit EkG(das allerdings im Krankhaus bei starker psychischer Belastung gemacht wurde) ergab sich eine Mittelfrequenz von 95, niedrigste bei 60 und höchste bei 180... Ich leide dazu noch an einer hypochondrischen angststörung und an hashimoto thyreoditis(Werte sind aber in Ordnung). Ich weiß langsam nicht mehr weiter und habe Sorge dass der konstant hohe puls meinem Herz schadet. Nach Versuchen von sportlicher Belastung wird es meist über einen längeren Zeitraum noch schlimmer. Ich wünsche mir einfach nur dass mein Herz in einer physiologischen Frequenz schlägt... Habe auf Bedarf ab und an Bisoprolol 1,25 mg bekommen was allerdings den Puls nicht so maßgeblich senkt... MfG Emma D.

Dr. med. Peter Zündorf
30.04.2020, 08:02 Uhr

Guten Morgen EmmaMarie98,

zunächst bitte ich um Entschuldigung für meine späte Antwort.
Was Sie bezüglich ihrer Herzfrequenz und des schnellen Herzschlages schreiben, kann ich gut verstehen, und glücklicherweise ist nichts davon bedrohlich.
Vermutlich besteht eine Kombination aus Stress, Angst und Trainingsmangel, eventuell auch Depression. Weitere organische Ursachen dürften Ihr Hausarzt bzw. Kardiologe ausgeschlossen haben (Anämie, Hyperthyreose, Fieber, Entzündung, Schwangerschaft etc.).
Eine EPU dürfte Sie tatsächlich nicht weiterbringen.
Aus meiner Sicht bestehen 3 wesentliche Ansätze, die Situation zu bessern:
1. Psychotherapie mit Blick auf Stressbewältigung, Angst und eventuell Depression
2. sportmedizinische Behandlung, zunächst unter Aufsicht, eventuell beim Physiotherapeuten oder Personal Trainer. Ganz auf sich gestellt könnten Sie Schwierigkeiten haben, wie es Ihr erster Versuch ja angedeutet. Andererseits dürfte gerade die Etablierung regelmäßigen Ausdauersports ganz wesentlich sein, um die Lage in den Griff zu bekommen, einerseits wegen der Stärkung der Vagotonie, andererseits wegen der damit verbundenen Stressbewältigung.
3. das erste und möglicherweise vorübergehende Maßnahme würde ich empfehlen, die Bisoprolol-Dosis zu erhöhen. Sie wissen, dass Sie im Prinzip bis 10 mg gehen könnten, das ist achtmal soviel wie bisher. Ich würde zunächst 2,5-5 mg wählen.

Ich wünsche Ihnen mit der Zeit gute und nachhaltige Besserung, und viel guten Mut!

Dr. Peter Zündorf, Hannover

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