Das Expertenforum

Leicht erhöhter BNP, sonst gesund - was tun?

Autor
Datum
Melody
21.09.2014, 13:21 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich benötige eine Zweitmeinung bzgl. folgenden Problems:

Ich (w) bin 23 Jahre alt, Typ 1-Diabetikerin (gut eingestellt), schlank und leide seit ca. 5 Jahren regelmäßig an Herzrhythmusstörungen, die jedoch nach zahlreichen Untersuchungen als harmlos eingestuft wurden.

Vor 2 Monaten hatte ich einen Magen-Darm-Infekt, während dem ich mich jedoch körperlich geschont habe. Ca. 1-2 Wochen danach traten erste Beschwerden auf, ich spürte die Herzrhythmusstörungen wesentlich stärker und öfter als sonst und hatte öfter Atemnot. Selbst kleinere Belastungen strengten mich sehr an. Zu dieser Zeit wurde mir Blut abgenommen - alles in Ordnung, also keine erhöhten Entzündungswerte o.Ä. Wiederum 2 Wochen später begab ich mich aufgrund der anhaltenden Probleme zum Kardiologen. Dieser führte eine Echokardiographie, Belastungs-EKG, eine EKG mit Farbdoppler, eine Doppler-Ultraschall der hirnzuführenden Arterien sowie ein Langzeit-EKG durch. Alle Untersuchungen blieben ohne Befund. Das Langzeit-EKG zeigte zwar VES und SVES, jedoch wurden diese als harmlos eingestuft. Die einzige Untersuchung, die etwas ergab, war die Blutuntersuchung. Mein BNP lag (Schnelltest nach Belastungs-EKG) bei 130, was laut meinem Kardiologen etwas zu hoch war. Eine Woche darauf wurde eben dieser Wert erneut in einem Schnelltest kontrolliert, diesmal ohne vorherige körperliche Belastung: 143. Der Arzt konnte sich dies aufgrund der sonstigen Befunde nicht erklären und vermutete eine zurückliegende leichte Herzmuskelentzündung. Kann dies sein? Für mich klang die Diagnose, da ich mich körperlich geschont hatte und auch das damalige Blutbild unauffällig war, nicht unbedingt wahrscheinlich.

Mir wurde weiterhin ein noch sechswöchiges Sportverbot erteilt, was nun dazu führt, dass meine Kondition komplett abbaut (ich habe sonst regelmäßig im Verein eine Ballsportart ausgeübt) und ich erst recht durch kleinste Belastungen erschöpft bin. Meine Frage: Woher kann Ihrer Meinung nach der BNP erhöht sein? Ist 143 überhaupt ein tatsächlich erhöhter Wert? Ich finde zahlreiche unterschiedliche Normwerte, mein Kardiologe nannte mir 116 als Richtwert. Ist das Sportverbot sinnvoll? Sollte der BNP nochmals kontrolliert werden und wenn ja wann?

Vielen Dank schon einmal im Voraus!

berrisch-rahmel
22.09.2014, 12:01 Uhr

Sehr geehrte Melody,

für Ihr junges Alter kenne Sie sich schon sehr gut aus. Zudem haben Sie anscheinend sehr gründliche und gewissenhafte Ärzte die sie betreuen. Danke für die Aufstellung.

Ich werde versuchen Ihre Fragen abzuarbeiten. Punkt 1: Herzmuskelentzündungen verlaufen in den meisten Fällen völlig harmlos. Meist wird die Begleiterscheinung gar nicht gemerkt. Die Dauer der Schonung hängt in der Regel vom Verlauf ab. bei schweren Verläufen mit anfänglicher intensivmedizinischer Behandlung kann dies bis zu 6 Monate andauern.

Milde Begleitformen (die oft gar nicht diagnostiziert werden) lassen einen stufenweisen Beginn der Belastung nach Abheilung des Infektes zu. Es gibt keinen einheitlichen Richtwert wie lange ein Sportverbot sinnvoll ist. Das sollte der behandelnde Kardiologe individuell mit Ihnen klären.

Punkt 2: BNP ist ein Laborwert, dessen Norm von Labor zu Labor variieren kann. Ihr Arzt bekommt vom Labor einen schriftlichen Ausdruck mit ihrem Wert und der Norm. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. BNP ist erhöht, wenn die Herzkammern gedehnt werden. Das kann verschiedene Gründe haben: So führen Herzrhythmusstörungen oder sportliche Betätigung zu einer Erhöhung ohne Krankheitswert. Eine leichte Erhöhung, wie bei Ihnen sollte nicht überinterpretiert werden.

Diesen Laborwert sollte man im Gesamtbild der Befunde sehen und diese scheinen mir gute Ergebnisse gezeigt zu haben.

Mit freundlichem Gruß

Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Forums spiegelt die Meinung der registrierten Teilnehmer wider. Die Initiatoren und Kooperationspartner der Initiative Herzbewusst übernehmen für diese Inhalte keine Haftung auf Unterlassung, Schadensersatz etc. und erklären ausdrücklich, dass diese Informationen nicht die Auffassung der Initiatoren und Kooperationspartner der Initiative Herzbewusst wiedergeben.