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Linkshypertrophie mit Relaxstörung bei Bluthochdruck?

Autor
Datum
eule1979
15.10.2018, 13:55 Uhr

Guten Tag,
meine Mutter hat seit 4 Wochen bei Belastung Dyspnoe und leichtes Druckgefühl retrosternal.
Mittlerweile war meine Mutter beim Internisten (kein Kardiologe): folgendes hat der Befund ergeben:
momentane Medikation (seit 2009):
metroprolol 47,5- 1-0-1
losarcomb 50 1-0-0
losartan 50 0-0-1
Blutdruckwerte bei Selbstmessungen im Normbereich.
Status: RR ho. 180/100 (pat. sehr nervös), guter AZ, mäßige Adipositas, Cor, Pulmo klinisch unauffällig; Abdomen und Nierenlager frei.
Kein Wadendruckschmerz, Homan neg.
EKG: Sinusrhythmus, Normaltyp 79, PQ-Norm, Linkshypertrophie, deutliche U Welle, vereinzelt Extrasystolen.
Echokardiographie: Gute Untersuchungsbedingungen, Vorhöfe und Herzkammern normal weit, Linksventrikuläre globale Pumpenfunktion nicht eingeschränkt. Regionale Wandkontraktionsstörungen. Deutliche konzentrische Linkshypertrophie. Grenzwertig weiter Aortenabgang mit knapp unter 40mm.
Im farbcodierten Doppler diskrete, hämodynamisch nicht wirksame Mitralinsuffizienz sowie relaxgestörtes Flussmuster bei Linkshypertrophie.
Ergometrie: Sollwert 113 Watt. Belastet wurde bis 89 Watt; Beendigung bei 78% des Sollwerts wegen peripherer muskulärer Erschöpfung und Dyspnoe.
Keine pectaginösen Beschwerden. Max. erreichte Herzfrequenz 114, reguläres RR-Verhalten bei eleviertem Ruhe Ausgangs RR.
Gehäuft ventrikuläre Extrasystolen, keine Repolarisiationsstörungen.
Ergebnis: Ventrikuläre Extrasystolie, sonst unauffällige Ergometrie ohne Hinweis für Belastungskoronarininsuffizienz.
Diagnosen: Linkshypertrophie mit Relaxstörung bei Bluthochdruck, ventrikuläre Extrasystolie, Hypercholesterinämie, Mitralinsuffizienz I
Empfohlen: Diät, regelmäßige Blutdruckmessung, Beibehaltung der jetzigen Medikation, Kontrolle der Blutfettwerte in 3-4 Monaten, Kontrolle ho. bei persistierenden Beschwerden.
Ck-Mb (<7ng/ml): 3,00
Troponin (<0,5 ng/ml): 0,05
D-Dimer (<500 ng/ml): 493,58
Bnp (<1,60 ng/ml): 0,05
Triglyceride 182 (0-150)
Cholesterin 313 (0-200)
Hdl Cholesterin 216,3 (0,0-130,00)
crp 0,4 (0,0-0,5)
Leider hat der Arzt sonst nichts weiter gesagt (ob dieser Befund schlimm ist oder nicht) was mich sehr enttäuscht. Nur dass sie in 2 Jahren (!) wieder zur Kontrolle gehen soll. Meine Mutter ist sehr müde, wenn sie spazieren geht leidet sie nach kurzer Zeit unter Atemnot und Schweißausbrüchen (außer wenn es kühler ist, dann nicht so stark). Sie möchte sich noch eine 2. Meinung bei einem Kardiologen einholen, aber ich hätte vorab schon folgende Fragen:
Wie schlimm steht es um sie laut Befund?
ist ihr Zustand gefährlich?
Was ausser Diät, mehr Bewegung kann sie noch machen, eventuell andere Medikamente?
Vielen Dank im Voraus!

Dr. med. Ingo Bläse
16.10.2018, 20:29 Uhr

Sehr geehrte/r Herr/Frau Eule 1979,

der Befund sagt aus, dass Ihre Mutter vor und während der Untersuchung keinen Herzinfarkt erlitten hat, keine relevante Herzschwäche vorliegt und der Kollege eine Herzveränderung aufgrund eines langjährig hohen Blutdrucks diagnostiziert hat. Dies ist in kurzen Worten die Essenz des Befundberichtes.

Was mich irritiert ist, dass Ihre Mutter in den letzten 4 Wochen eine durch die Untersuchungsergebnisse nicht erklärte Beschwerdezunahme beschreibt.

Soweit aus der Ferne eine Beurteilung möglich ist, empfehle ich eine weiterführende Diagnostik zum Ausschluss einer Herzkranzgefäßverengung und einer primären Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie). Sollten diese Verdachtsdiagnosen ausgeschlossen sein, muss voraussichtlich die Medikation angepasst werden, damit die Beschwerden gebessert werden.

Welche Untersuchungen sinnvoll sind und welche Medikation für Ihre Mutter optimal ist, muss der Kardiologe herausfinden, denn das optimale Vorgehen hängt von vielen Faktoren ab.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. I. Bläse

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