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Mehrere Herzinfarkte in der Familie

Autor
Datum
Michael
29.05.2016, 20:09 Uhr

Wir haben in der Familie ein Häufung von Herzinfarkten. Mein Vater bekam mit 61 Jahren einen Infarkt,welchen er damals überlebte. Vor ca. 6Wochen ist mein Bruder mit erst 52 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Beide haben nicht geraucht und regelmäßig Sport getrieben ,wobei mein Bruder jede freie Minute für sportliche Aktivitäten genutzt hat, Mountainbiken ,Bergsteigen, Schwimmen, Karate. Er ging häufig an die Grenzen, er war definitiv topfit. Beruflich war er Vertriebsleiter und ständig weltweit unterwegs,laut seiner Lebensgefährtin ein sehr stressiger Job. Viele Interessen,kein Leerlauf.

Bei meinem Vater war diesbezüglich ganz anders,kam schon vor dem 60 Lebensjahr in den Ruhestand. Ausser wöchentliches Joggen und Sauna waren die Aktivitäten begrenzt auf Lesen und den Schrebergarten. Mein Vater war mit meiner Mutter in einer Therme und bekam nach Verlassen eines Warmwasserbeckens (Temperatur 30°C oder sogar höher) Probleme,hatte sich hingesetzt und wurde dann ohnmächtig.

Mein Bruder war mit seinem Sohn im Urlaub auf Sizilien,war am Tag zuvor auf dem Ätna ,wobei ein guter Teil zu Fuss erledigt wurde,er wollte primär fotografieren. Tags darauf ist er morgens mit der Fähre zum Stromboli ,die Fähre kam allerdings verspätet am Stormboli an. Auf den Stromboli darf nur man in einer geführten Gruppe mit einem ortskundigen Guide,nun war dies Gruppe aber schon losmarschiert.

Nach Aussage des Sohnes hatten sie die Gruppe aber nach etwa 5 Minuten eingeholt. Ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Bruder nicht mehr erholt, war kurzatmig und hat stark geschwitzt, ist aber noch eine Weile (wie lange ist mir nicht bekannt) weitermarschiert bis er zusammenbrach und ohnmächtig wurde.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Außentemperaturen schon recht hoch (ca. 28°C) Mit dem Hubschrauber kam er nach Messina in eine Klinik, wobei im Hubschrauber die Lage offensichtlich stabilisiert werden konnte, es handelte sich anscheinend um einen eher leichten Herzinfarkt.

In der Klinik bekam er dann später auf der Intensivstation einen schweren Herzinfarkt, woran er dann starb (Todeszeitpunkt 21Uhr). Wie kann sich auf der Intensivstation ein weiterer Infarkt ereignen?

Was mir am Verlauf beider Fälle auffällt, dass die klassischen Symptome eines Herzinfarktes offensichtlich nicht oder nicht deutlich auftraten. mein Bruder hatte noch einen Checkup und ein EKG machen lassen, war alles ok. Bei meinem Vater kann ich es nicht sagen, er starb vor 8Jahren an Krebs. Ich gehe von einem genetischen Problem aus, da wie schon oben erwähnt mehrere Fälle bei Männern auftraten. Zwei Cousins mütterlicherseits meine Vaters starben an Herzinfarkten.

Der Vater meines Vaters starb an einer geplatzten Bauchschlagader, beim Bruder meines Vaters ist diese schon deutlich erweitert. Ich stelle mir die Frage, ob eine Kombination beider Veranlagungen ein erhebliches Risiko darstellt.

Ich (männlich, 53Jahre, 1,84m-75kg) bin ziemlich verunsichert, habe mir einen Termin beim Kardiologen geben lassen. Möglicher Gentest, welche ein erhöhtes Risiko aufdecken könnte, möchte ich auf jeden Fall durchführen lassen, schon mit Blick auf die nachfolgenden Generationen. Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol, meine Blutwerte sind optimal, treiben nicht intensiv aber regelmäßig Sport, bei weitem nicht in der Intensität wie mein Bruder.

Ich hoffe, dass ich im Forum hier noch Ratschläge bzw. Bewertung zu den geschilderten Fälle erhalten kann.

Besten Dank!
Michael

Dr. med. Karl-Friedrich Schmitz
30.05.2016, 18:12 Uhr

Sehr geehrter Nutzer dieses Forums.

Zunächst vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die Schilderung Ihrer Familiengeschichte lässt auch aus meiner Sicht an eine familiäre Disposition für Herz-Kreislauf-Erkrankungen denken. Sicherlich ist es in einem solchen Falle für Sie selbst sehr wichtig, auf zusätzliche Risikofaktoren zu achten und diese möglichst zu vermeiden. Ihr familiäres Risiko selbst können Sie natürlich nicht beeinflussen und spezifizierte genetische Tests sind bisher nicht in die Klinik eingeführt. Lassen Sie sich daher regelmäßig vom Hausarzt (Labordiagnostik) und ggfs. auch vom Kardiologen untersuchen, um möglicht früh ein Gefäßproblem (Herzkranzgefäße, Halsschlagader, Bauchaorta) zu entdecken. Sie haben damit zumindest eine große Chance, dass man doch vor einem akuten Problem eingreifen kann.

Mit freundlichem Gruß

Karl-Friedrich Schmitz

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