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nicht einstellbarer Bluthochdruck

Autor
Datum
achduiebeheimat
14.12.2017, 18:39 Uhr

Ich habe einen sehr hohen Blutdruck (øüber 160/110), der seit ca. 4 Monaten medikamentös behandelt wird. Die Dosis wurde mittlerweile auf 10 mg/Tag Bisoprolol und zusätzlich Candesartan 16 mg/Tag gesteigert. Ich messe regelmäßig den Blutdruck, immer unter den gleichen Bedingungen (zuvor mind. 5 min Ruhe), kann aber tendenziell bislang überhaupt keinen Effekt erkennen. Im Gegenteil: In den letzten Tagen gibt es erneute "Ausraster" mit Werten über 190 systolisch und 110 diastolisch. Kopfschmerzen häufen sich wieder, hauptsächlich nachts. Der einzige Effekt bislang war die Senkung des Pulses! Ich nehme die Medikamente täglich und regelmäßig! Habe bislang nur einmal eine Tablette vergessen. Ich bin 54, immer schon normalgewichtig, trinke wenig Alkohol (seit 4 Monaten gar nicht mehr).Ich bin aber leider Raucher ;-) Meine Ernährung ist zweifelsfrei gesund, bestand immer schon aus viel Gemüse, Obst, Hartweizennudeln, sehr selten Fleisch, keine Wurst, keinerlei Fertigprodukt usw. Speiseöle verwende ich immer schon Oliven-, Raps- oder Walnuss-Öl. Brot/Backwaren esse ich so gut wie gar nicht. Süßes ist nicht "mein Ding". Nieren scheinen in Ordnung zu sein. Ich habe mein Leben lang Sport getrieben, allerdings in den letzten Monaten kaum noch. Wobei ich aber dennoch ein sehr aktiver Mensch mit Bewegungsdrang bin (z.B. Gartenarbeit...mein Beruf erfordert auch viel Bewegung und ist nicht rein sitzender Natur). Allerdings wurde eine Hypercholesterinämie bei mir festgestellt, wogegen ich demnächst Stanine verordnet bekommen soll. Frage mich allerdings, ob diese letztendlich meinen Blutdruck entscheidend senken können? Ich bin etwas verzweifelt und habe natürlich auch entsprechende Ängste. Gerade bei solchen Symptomen wie Atemnot, Schweißausbrüche und extremes Herzrasen. Ich muss sagen, dass ich einen sehr stressigen Beruf habe, der physisch und psychisch sehr belastend ist. Sehr lange Arbeitstage, unregelmäßige Arbeitszeiten usw. Ich bin deswegen auch vor ca. 3 Jahren zusammengeklappt oder wie man es neumodisch nennt, hatte mein zweites Burnout. Aber da gibt es definitiv keinen Weg raus, da mir die Rentenversicherung trotz längerer Krankheit, Reha usw. eine Umschulung verweigert hat. Eine andere Frage: Ich meine, dass ich seit der Einnahme der Betablocker zunehmend an Depressionen leide und stelle da einen Zusammenhang her. Das Zeugs macht mich schlapp und müde, paradoxerweise habe ich aber trotzdem mittlerweile extrem auffallende Einschlafprobleme (quäle mich bis 5 Uhr morgens rum). Depressionen sind mir nicht unbekannt, aber damit konnte ich mittlerweile umgehen, sie akzeptieren. Aber in diesem Ausmaß sind sie mir neu. Ich habe den Betablocker im Verdacht. Merkwürdigerweise ist der Hausarzt (auch Internist) der Meinung, dass ich keine Überweisung zu einem Kardiologen bräuchte. Verstehe ich nicht wirklich. Trotz Eigeninitiative hat mir der Kardiologe keinen Termin angeboten, weil er auf eine Überweisung besteht. Ich mache mir Sorgen und bin skeptisch. Ich frage mich tatsächlich, ob ich therapieresistent bin. Was kann ich noch tun?

Dr. med. Heribert Brück
17.12.2017, 17:19 Uhr

Sehr geehrter Herr,

lassen Sie mich mit Ihrer letzten Bemerkung beginnen: therapieresistent sind Sie sicherlich nicht, da ja bisher offensichtlich nur zwei Substanzen eingesetzt wurden.
Dabei haben Sie bei Bisoprolol mit 10 mg/Tag die Zieldosis erreicht, bei Candesartan mit 16 mg/Tag jedoch noch nicht. Außerdem kann Candesartan sehr gut mit anderen Substanzen kombiniert werden (z.B. Amlodipin als sogenannter Calciumantagonist oder HCT als Vertreter der Diuretika).
Betablocker nimmt man zur Behandlung des hohen Blutdrucks heute eher selten an erster oder zweiter Stelle, es sei denn es gibt andere Gründe für den Einsatz eines Betablockers, bei Ihnen könnte das Herzrasen sein oder auch der Stress, von dem Sie berichten.
Betablocker können aber sehr wohl Depressionen verursachen/verstärken, außerdem können Sie schlapp und müde machen, wie Sie das ja auch beschreiben.
Aus Ihren Schilderungen kann ich nicht ersehen, welche Blutuntersuchungen durchgeführt wurden, insbesondere die Schilddrüsenfunktion ist bei einem erhöhten Blutdruck wichtig; die Nieren sind ja in Ordnung wie Sie schreiben.
Außerdem kann ich nicht ersehen, ob bei Ihnen schon einmal eine sogenannte Langzeitblutdruckmessung durchgeführt wurde. Damit kann man nämlich zuverlässigere Werte erhalten als bei der Praxismessung oder bei der Selbstmessung; außerdem kann man bei einer korrekten Nachtabsenkung davon ausgehen, dass der erhöhte Blutdruck nicht Folge einer anderen Erkrankung ist.
Wie Sie sehen, gibt es noch viele Möglichkeiten, den Blutdruck dann doch gut einzustellen, dies erfordert vom Arzt und auch vom Patienten manchmal Geduld, führt aber in der Regel zum Erfolg, wenn man das Ziel konsequent verfolgt.
Die Statine werden übrigens keinen Einfluss auf den Blutdruck haben.

Herzliche Grüße
Dr. Heribert Brück

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