Das Expertenforum

Nur die automatische Auswertung oder doch etwas ernsthaftes?

Autor
Datum
David_H
22.09.2016, 11:08 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist David und ich bin 33 Jahre alt. Auf Grund von Herzproblemen in meiner Familie (Großmutter leidet an dauerhaften Vorhofflimmern und auch meine Mutter leidet seit ein paar Jahren an paroxysmalen Vorhofflimmern) haben wir uns ein mobiles EKG (Beurer ME-90) zugelegt um ggf. auftretende Rhythmusstörungen dokumentieren zu können. Ich selbst war vor ca. 2 Jahren auch schon zwei Mal beim Kardiologen und es wurden 2-mal Blutuntersuchungen (inkl. Schilddrüse TSH/F3/F4), Ruhe-EKGs, Belastung-EKGs, Langzeit-EKGs, Blutdruckmessung und Ultraschall gemacht. Während der zwei Langzeit-EKGs waren ein paar Extrasystolen (SVES und VES) bei mir sichtbar - ansonsten alles i.O. Auf dem Befund stand „keine höhergradigen Rhythmusstörungen“. Therapie oder ähnliches gab es nicht. So weit so gut. Auf Grund der Vorhofflimmer-Vorgeschichte wurde uns von unserem Kardiologen ein mobiles 1-Kanal EKG empfohlen, da man damit auch selten auftretenden Arrhythmie-Episoden finden kann, wenn man es einfach ab und zu mal oder wenn man etwas merkt schreibt. Auf Grund dessen schreibe ich damit 2-3-mal pro Woche ein 30 Sekunden EKG in Ruhe. Nun ist mir aufgefallen, dass mir das Gerät ca. 3 bis 4 Stunden nach sportlicher Belastung „RYTHM“ anzeigt und gestern sogar einmal „RYTHM und WAVE“. Was mir dabei auffällt, dass der Puls dabei atemabhängig stark schwankt (d.h. beim Einatmen geht er bis auf ca. 90 Schläge und direkt beim Ausatmen fällt er prompt auf ca. 60 ab). Ich habe dann mal gegoogelt (ja ich weiß, soll man nicht machen) und konnte hier „Respiratorische Sinusarrhythmie“ finden welche angeblich normal sein soll, allerdings steht dort immer „ausgeprägt bei Kindern und Jugendlichen“. Das Handbuch des EKGs beschreibt „RYTHM“ und „RYTHM und WAVE“ folgendermaßen: RYTHM = Supraventrikuläre Arrhythmien (u.a. Vorhofflimmern, Vorhofflattern, pathologische Sinusarrhytmien / paroxsymale atriale Tachykardien, SVES) RYTHM und WAVE = (u.a. singuläre ventrikuläre Extrasystolen / Bigemini / Trigemini / Serien ventrikulärer Extrasystolen / multifokale ventrikuläre Extrasystolen / ventrikuläre Tachykardien) Wie Sie sehen, fehlt dort der Begriff „Respiratorische Sinusarrhythmie“ und es wird nur von „pathologischen Sinusarrhytmien“ gesprochen. Ich bin nun stark verunsichert, da bei RYTHM auch wieder Vorhofflimmern steht was bei mir auf den zwei 24-Stunden EKGs nicht sichtbar war. Ich spüre während der EKG Aufzeichnung kein Stolpern oder sonstige Symptome. Können Sie mir sagen, ob Sie auf den EKGs etwas Auffälliges sehen? Ich vermute bei den EKGs mit „RYTHM“ die „Respiratorische Sinusarrhythmie“ und bei den EKGS mit „RYTHM und WAVE“ ventrikuläre Extrasystolen … aber interpretieren kann ich die EKGs leider nicht. Alle 1-Kanal EKGs wurden nach Methode A aufgezeichnet, d.h. dies entspricht laut Anleitung näherungsweise der „Ableitung 2“. EKGs mit „RYTHM“: http://docdro.id/02WPwp3 http://docdro.id/lsISoaL http://docdro.id/8AiSF7W http://docdro.id/ifW69Z7 EKG mit „RYTHM und WAVE“: http://docdro.id/ROdCnuG Als Referenz ein EKG mit dem Status „OK“ http://docdro.id/UJZR3qi

Vielen Dank für Ihre Hilfe. David

P.S.: Die Kopfangaben auf dem EKG Reports stimmen natürlich nicht - habe hier nichts in der Software hinterlegt

Dr. med. Ingo Bläse
25.09.2016, 21:26 Uhr

Sehr geehrter Herr David,

ich habe mir die von Ihnen übermittelten EKGs angesehen und keine einzige ventrikuläre Extrasystole gefunden. Was ich gesehen habe, ist eine Sinusarrhythmie, wobei einzelne supraventrikuläre Extrasystolen nicht ausgeschlossen sind. Ich kenne keine Literatur, die einer Sinusarrhythmie/respiratorischen Arrhythmie bei einem jungen sportlichen und gesunden Menschen, das sollte von Ihrem Hausarzt/Kardiologen abgeklärt werden, eine pathologische Relevanz zuordnet. Die übermittelten EKGs würden mich bei obigen Voraussetzungen nicht beunruhigen. Zeigen Sie die EKGs Ihrem Kardiologen. Dieser kann die EKGs sicher besser einordnen, da er Sie besser kennt.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. I. Bläse

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