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qt-Intervall

Autor
Datum
Antje
09.01.2019, 06:12 Uhr

Guten Morgen,
nachdem ich eine beruhigende wie kompetente Antwort bezüglich meiner Extrasystolen bekommen habe, möchte ich noch eine 2. Frage stellen, die mich beunruhigt. Im Rahmen der Untersuchung der ventrikulären Extrasystolen, die bei mir seit einigen Wochen neu und gehäuft auftreten, wurden mehrere EKGs geschrieben und darin auch der qt-Wert festgehalten. Ich leide schon länger an einer generalisierten Angststörung und die VES beunruhigten zusätzlich, sodass ich seit Ende November Escitalopram 10mg einnehme. Bis dato würde Ein Ruhe-EKG beim Hausarzt geschrieben, bei dem ich eine HF von 90 Schlägen je Minute hatte und dabei eine qt-Zeit von 366. Ich hatte auf Wunsch des Kardiologen vor der 1. Escitalopram- Einnahme die QTc zu checken. Aufgrund dieses EKGs gab es vom HA die Aussage: Kein Problem. Alles im grünen Bereich. Bei QTc steht nun aber: 448 ms / 114%. Das irritiert mich. Alles okay? Ich las bei Frauen sollte dieser Wert maximal bei 450 liegen und dann sicherlich kein qt-Zeit verlängerndes Antidepressivum verabreicht werden. Kann es sein, dass es bei höherer Herzfrequenz anders gerechnet wird? Ich hab nun panisch alle drei Werte der letzten 8 Wochen durch den Rechner gejagt: bei HF 90/ qt 366=
Bazett’s formula qtc = 448.3 msec
Fridericia’s formula = 419.0 msec
Framingham’s formula = 417.3 msec
Hodges’s formula 418.5 msec

RR Interval = 0.667 Sekunden
Das klingt ja bei den anderen drei Rechenarten sehr viel besser?! Nutzt man diese bei hoher HF und hat meine HA deshalb- doch zurecht Entwarnung und das Okay für Escitalopram gegeben?
Die anderen beiden Ruhe-EKGs im KKH waren leider auch nicht „ruhiger“ : HF 100/ qt 360:
Bazett’s formula = 464.8 msec
Fridericia’s formula = 426.8 msec
Framingham’s formula = 421.6 msec
Hodges’s formula = 0.430 sec OR 430.0 msec
RR Interval = 600.0 msec
Und HF 115/ qt 340
Bazett’s formula = 470.7 msec
Fridericia’s formula = 422.3 msec
Framingham’s formula = 413.7 msec
Hodges’s formula = 436.3 msec
RR Interval = OR 521.7 msec
Gerade letztes Beispiel zeigt ja eine ziemliche Spannbreite. Die Unterlagen aus dem KKh kamen diesbezüglich unkommentiert per Post. Weil es unbedeutend ist oder weil es keine Beachtung fand? Es haben dort ja 2 Kardiologen alles begutachtet. Auch im Langzeit-EKG. Wäre eine wir-Verlängerung da nicht aufgefallen? Kann ich meiner HA weiter vertrauen, die ich wie gesagt, wegen der Neueinnahme des Antidepressivums extra darauf ansprach? Ich denke, ich werde das Medikament nach Absprache nicht weiter einnehmen. Ständige EKG-Kontrolle, das ist nichts für jemanden, der nun in dieser Hinsicht wegen der VES ohnehin Ängste hat und wieder Vertrauen in seinen Körper finden möchte.
Ich bedanke mich sehr für eine Einschätzung der qt-Daten. Mein nächster Termin beim Psychiater, wo das Thema wäre, ist erst in 14 Tagen und ich bin sehr angespannt, ob der hohen Bazett-Werte.
Liebe Grüße
Antje

Dr. med. Heribert Brück
11.01.2019, 16:01 Uhr

Sehr geehrte Frau Antje,

die Aussagefähigkeit der QTc-Zeit ist der reinen QT-Zeit überlegen, so dass im klinischen Alltag immer die QTc-Zeit betrachtet wird.
Die am meisten verbreitete Formel zur Bestimmung der QTc_Zeit ist die Bazett-Formel. Diese ist bei höheren Herzfrequenzen jedoch ungenau, so dass dort die Fridericia-Formel angewendet werden sollte.
Der Grenzwert liegt unabhängig von der Formel für Männer bei 450 ms und bei Frauen bei 460 ms.

Somit liegen Ihre EKGs ja alle im Normbereich.
Problematisch würde es auch erst, wenn unter der Behandlung mit einer Substanz, die die QT-Zeit verlängert diese um mehr als 20% ansteigen würde oder über 500 ms liegen würde.

Es ist auch nicht notwendig, ständig das EKG zu kontrollieren, dies ist nur zu Beginn notwendig und dann allenfalls sporadisch.

Herzliche Grüße
Dr. Heribert Brück

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