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QTc-Zeit

Autor
Datum
Sonja84
17.02.2017, 09:57 Uhr

Guten Morgen,

ich bin weiblich , 32 Jahre, 164 cm, 50 kg und ich habe eine Frage zu der Qtc-Zeit. Ich wurde vor zwei Wochen auf meinem Wunsch sportmedizinisch untersucht. Im Arztbericht steht folgendes:

„Ruhe-EKG: Regelmäßiger Sinusrithmus mit einer Frequenz von 97 Schlägen/Minute, Steil-Typ, regelrechte Überleitungszeit, (PQ 126ms), R/S- Umschlag in V2/V3, keine spezifische Erregungsrückbildungsstörungen, QTc 469 ms (120%).

Ergometrie: … Im Belastungs-EKG kein Nachweis von Herzrhythmusstörungen, Pausen oder Ischämie typischen Endstreckenveränderungen bei regelrechtem Herzfrequenz- und Blutdruckverlauf. Beurteilung: Die sportmedizinisch-internistische Untersuchung ergab den Nachweis einer regelrechten kardiozirkulatorischen Belastbarkeit. Auffälligkeiten im Ruhe- und Belastungs-EKG fanden sich hierbei nicht. „ Es klingt alles sehr gut nur die QTc-Zeit macht mir momentan sorgen. Ich habe gelesen, dass bei Frauen eine QTc > 460ms als pathologisch verlängert angesehen wird und das auf ein Long-QT-Syndrom deutet.

Da ich seit einem Monat vermehrte Extrasystolen verspürt habe wurde vor 2 Tagen ein Langzeit-EKG (19 std) gemacht. Davor wurde auch noch eine Ruhe-EKG geschrieben: HF: 96, QTc = 435 (111%), nichts auffälliges. Von der Langzeit-EKG liegt bei mir keinen Bericht vor, aber laut Aussage der Ärztin: nichts ungewöhnliches, 6 SVES und ca. 20 VES, also Normalbefund, Durchschnittliche HF = 80. Puls etwas erhöht, laut Ärztin aufgrund von Aufregung und nichts Pathologisches.

Eine Echokardiographie ergab auch ein Normalbefund, keine hochgradigen Klappenvitien, normale systolische LV-Funktion, keine Rechtsherzbelatung, PAP sys 11,5mmHg +ZVD. Großes Blutbild: alles Parameter in Ordnung; Elektrolyte (Natrium 139, Kalium 3.9, Calcium 2.3mmol/l) auch ok. Frühere Untersuchungen: Ruhe-EKG vor 4 Monate: HF: 74, QTc = 439. Ruhe-EKG vor 2 Jahre: HF 78, QTC= 432.

Sollte Ihrer Meinung nach aufgrund der QTc von 469ms die bei der sportmedizinische Untersuchung aufgeschrieben wurde weitere Untersuchungen folgen? Ein Gentest vielleicht? Es gibt in meiner Familie keine Herzerkrankungen und auch keine unerklärte plötzliche Todesfälle. Ich selber war noch nie Ohnmächtig. Ich habe im Internet von erhöhtem Risiko eines plötzlichen Herztodes gelesen und das macht mir Angst.

Ich werde mich über Ihre Antwort sehr freuen und bedanke mich herzlich!

Dr. med. Peter Zündorf
18.02.2017, 00:44 Uhr

Liebe Frau Sonja,

meine kurze Antwort lautet: alles harmlos, bitte machen Sie sich keine Sorgen!

Ich gehe davon aus - geht aus Ihrem Text nicht hervor - dass Sie keine Medikamente einnehmen und gut belastbar sind?!

Wenn Sie es genau betrachten, haben Sie 2 QTc-Befunde:

<ul>
<li>QTc 469 ms bei 97/min. - h&auml;ufig werden auch Grenzwerte von 470 bzw. 490 ms angegeben.</li>
<li>QTc 435 ms bei 80/min. Die QT-Zeit ist die R&uuml;ckbildungsphase der Herzerregung, sie wird nicht angegeben.</li>
</ul>

QTc =&gt; korrigierte (&quot;c&quot;) QT-Zeit - da ist im Wesentlichen eine Korrektur f&uuml;r die Herzfrequenz HF, die aber in h&ouml;heren HF-Bereichen nicht ausreichend gut funktioniert, damit falsch zu hohe Werte. Auch alle anderen Befunde weisen Sie als herzgesund aus - und die erweiterte Anamnese (Vorgeschichte incl. Familie) ist auch unauff&auml;llig.

Sie brauchen gar nichts Weiteres zu tun.

Sicherheitshalber k&ouml;nnen Sie - wie jeder andere auch - darauf achten, nie Medikamente einzunehmen, die zu einer Verl&auml;ngerung der QT-Zeit f&uuml;hren:

https://www.infomed.ch/images/tables/09-2-06.jpg

und eine Liste von Risikofaktoren f&uuml;r das Auftreten gef&auml;hrlicher Rhythmusst&ouml;rungen:

https://www.infomed.ch/images/tables/09-3-06.jpg

Ich hoffe, Ihnen ausreichend weitergeholfen zu haben. Detailliertere Ausk&uuml;nfte sollten Sie ggf. in der Sprechstunde erfragen.

Viele Gr&uuml;&szlig;e!
Dr. Peter Z&uuml;ndorf, Hannover

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