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Seit 4 Wochen extrem viele Extrasystolen / vor 1 Jahr einen Infarkt

Autor
Datum
Luke101
08.02.2019, 00:15 Uhr

Hallo Expertenteam,
Ich habe in den letzten Wochen (wie allerdings auch schon vorher mal über längerer Zeiträume) extrem viele Extrasystolen. Diese folgen jetzt schon seit mehreren Wochen immer einem gewissen Rythmus. Hab bereits gelesen, dass sich dieser 2:1 Extrasystolie nennt. Also immer 2 normale Herzaktionen gefolgt von einer Extrasystole. Und nach der Extrasystole die erste "normale Herzaktion" hat einen ungewöhnlich langen Zeitraum zwischen QRS-Komplex und T-Welle. In der nächsten Herzaktion ist dieser Zeitraum wieder normal.

Ebenso hat sich meine Ruheherzfrequenz erhöht. Meistens knapp vor den 100 Schlägen/Min. Selbst in absoluter Ruhe nach Stunden auf'm Sofa.
Ich hatte vor ca. 1 Jahr einen leichten Infarkt und seitdem einen Stent.
Meine Hausärztin sagt, es seinen VES, ich bin allerdings der Meinung, es sind SVES. (Keine kompensatorische Pause und keinen verbreiterten QRS-Komplex). Und das mögen Ärzte ja gar nicht so gern, wenn Patienten meinen, es besser zu wissen :)

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass sie meine Sorgen nicht ernst nimmt, obwohl sie ja von meiner KHK und dem Infarkt weiß. Ich habe ca. 25 Extrasystolen in der Minute und das den ganzen Tag (zumindest wenn ich wach bin...im Schlaf bemerke ich sie ja nicht) seit mehreren Wochen. Das sind wenn ich es mal hochrechne 25 ES x 60 Min. x 24 Std. = 36000 ES/Tag. Und ich spüre zumindest tagsüber jede davon in Brust, Drosselgrube (Halskuhle) und sogar im Kopf. Das macht mich komplett irre und ich kann mich auf nichts mehr konzentrieren. Hab öfters Atemnot und plötzlichen Leistungseinbruch und Schwindel. Außerdem ist mein Blutdruck trotz Medikation meist sehr hoch ohne nächtliche Absenkung (laut Langzeitblutdruckmessung).
Mein Wert liegend in absoluter Ruhe beträgt meisten 98/138 oder drüber. Der diastolische Wert ist bei mir schon seit Jahren immer zu hoch gewesen und auch da wusste nie ein Arzt nen Grund. Ich weiß, dass das Thema komplex ist, aber irgendwer muss sich doch auch mal auskennen und ggf. sinnvolle Therapien einleiten.

Es wurde auch bereits vor einigen Monaten ein Langzeit-EKG angefertigt...aber wie das immer so ist, hatte ich an dem Tag nur 2700 ES.

Haben Sie eventuell einen Rat. Ich weiß nämlich bald nicht mehr weiter. Hab auch irgendwie das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden...wahrscheinlich weil ich egal wie beschi....en es mir geht den Ärzten gegenüber immer nen flotten Spruch auf den Lippen hab. :)

Ich höre immer nur: "Extrasystolen hat jeder mal". Ja, wenn es "mal" wäre, würde mich das auch nicht weiter stören...aber jetzt schon wieder wochenlang diese Anzahl und das durchgängig...gepaart mit den anderen Symptomen macht mir echt langsam Angst.

Ich nehme schon Tromcardin Complex und noch zusätzlich Magnesium...aber es wird einfach nicht besser.

Zusatzfrage, könnte mir mal jemand genau erklären, woran man SVES und VES im EKG unterscheiden kann? Diese Frage konnte mir bislang weder meine Hausärztin noch mein Kardiologe beantworten. Ich habe neben meiner Hausärztin schon 2 Kardiologen besucht und jeder sagt zu den ES (die immer gleich aussehen) was anderes...der eine "das sind VES", der nächste: "das sind SVES", meine Hausärztin sagt mal das mal das. Das kann doch irgendwie nicht sein.

Gleiches Spiel bei meiner Hypertonie-Medikation...der Kardiologe sagt morgens Valsartan und abends Amlodipin, meine Hausärztin sagt, dass Amlodipin Mist ist hat aber keinen Alternativvorschlag und nörgelt mich an, dass ich es trotzdem nehme. Es ist echt zum Mäuse melken.

Sorry für den langen Text, aber das musste mal raus.

Danke im Voraus

Dr. med. Karl-Friedrich Schmitz
08.02.2019, 15:08 Uhr

Sehr geehrter "Luke"

Da will ich mal versuchen, alle Ihre Fragen zu beantworten.

1. Supraventrikuläre und ventrikuläre ES unterscheiden sich vom Ursprungsort: Grob gesagt kommen SVES aus dem Vorhof und VES aus der Kammer, erstere sind im EKG schmalkomplexig, zweitere breitkomplexig.
2. Sie können vom Gefühl her den Ursprungsort nicht bestimmen, dazu brauchen Sie schon ein EKG.
3. Grundsätzlich sind VES eher schon einmal (aber nicht immer) problematisch, SVES meistens (aber auch nicht immer) harmloser.
4. Ihre hohen Herzfrequenzen und die vielen verspürten ES lassen mich an Vorhofflimmern denken.
5. Ihr lang zurückliegendes LZ-EKG nutzt uns nicht viel, Sie sollten sich beim Kardiologen Ihrer Wahl melden und "frisch" ein EKG und ggfs. einen neues LZ-EKG machen lassen.
6. Zur genauen Beurteilung Ihrer Arrhythmien und Beschwerden ist ein Gesamtbild einschließlich auch Vorgeschichte, Ultraschallbild und evtl. auch Bel-EKG erforderlich.

Daher mein Rat: Melden Sie sich bei Ihrem Arzt und lassen sich noch einmal untersuchen.

Mit freundlichem Gruß

K. F. Schmitz

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