Das Expertenforum

Trotz sinkenden Blutdrucks Herzmedikamente

Autor
Datum
Schmoni
07.02.2016, 10:29 Uhr

Mein Vater (Marcumar-Patient seit 25 Jahren, Diagnosen: card. Kompensation beidseitig, mit großen Ergüssen, hochgradig eingeschränkte LVEF, impermanentes Herzflimmern) wurde vor 2 Jahren mit einem Puls von 250 ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wurde er komplett neu eingestellt mit Metoprolol 100mg 1/0/1, Ramipril 1/2/0/0, Digitoxin 1/0/0. Außerdem nimmt er noch Furosemid und Mesalazin (Colitis).

Seitdem geht es ihm eigentlich immer schlechter. Er bekam Durchblutungsstörungen, offene Stellen an den Füßen und oben drauf bekam er dann auch noch eine Gürtelrose im Gesicht, mit der er bis heute noch zu kämpfen hat.

Anfang 2016 hat er seinen Hausarzt gewechselt. Da er einen sehr niedrigen Blutdruck hat, was scheinbar auch beim letzten Krankenhausaufenthalt (Dez. 2015) nicht erkannt wurde, hat die Ärztin eine Metoprolol und das Ramipril abgesetzt.

Der Blutdruck ist aber immer noch bei 110/50 (wenn er etwas gelaufen ist), der Puls allerdings ist selten unter 120.

Können die Durchblutungsstörungen durch den seit wahrscheinlich längerer Zeit niedrigen Blutdruck kommen? Könnte man evtl. Die Betablocker ganz weglassen?

Ich danke Ihnen erst mal herzlich für eine Antwort.

Dr. med. Heribert Brück
07.02.2016, 18:18 Uhr

Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Schmoni,

wenn bei Ihrem Vater eine hochgradig eingeschränkte Herzfunktion vorliegt, so werden bestimmte Medikamente dringend benötigt, um das Herz zu entlasten und einen vorzeitigen Tod zu verhindern. Dazu gehören insbesondere sogenannte ACE-Hemmer (z.B. Ramipril) und Betablocker (z.B. Metoprolol). Diese Medikamente haben als Nebenwirkung leider auch eine Blutdrucksenkung, wobei der Blutdruck wegen der schwachen Herzleistung oft sowieso relativ gering ist. Diese Medikamente sind dennoch so hoch zu dosieren, wie sie vom Patienten vertragen werden, da sie ihm einen Überlebensvorteil bringen, wie ich bereits erwähnte. Die absoluten Blutdruckwerte sind dabei nicht so wichtig, bedeutender sind die Symptome: Schwindel, Unwohlsein oder gar eine Bewusstlosigkeit könnten Ursache für eine Dosisreduktion sein. Metoprolol senkt außerdem auch die Herzfrequenz, was im Falle Ihres Vaters auch sehr wichtig ist, da eine zu hohe Herzfrequenz eine zusätzliche Herzschwäche bedingt.

Im konkreten Fall finde ich einen Blutdruck von 110/50 mmHg nicht als zu niedrig, aber eine Herzfrequenz von 120/min ist zu hoch. Ich würde deshalb dringend dazu raten, die Medikation vorsichtig wieder einzusetzen. Die Sorge, dass die offenen Stellen an den Füßen durch die Medikation bedingt sind, ist unbegründet. Dies ist eher ein Problem der Venen, das durch die Herzschwäche zusätzlich verstärkt wird. Sollte es sich bei den von Ihnen erwähnten Durchblutungsstörungen um ein Problem der Arterien handeln, so könnte Metoprolol z.B. gegen Carvedilol ersetzt werden. Ursache der Gürtelrose ist eine Abnahme der Abwehrkräfte des Körpers, dies ist bei einer ausgeprägten Herzschwäche ebenfalls nicht selten, auch dies wäre ein weiterer Grund, die Medikation weiterzuführen.

Ich hoffe, dass Ihnen diese Ausführungen weiterhelfen und wünsche Ihnen und Ihrem Vater alles Gute.

Herzliche Grüße

Dr. Heribert Brück

Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Forums spiegelt die Meinung der registrierten Teilnehmer wider. Die Initiatoren und Kooperationspartner der Initiative Herzbewusst übernehmen für diese Inhalte keine Haftung auf Unterlassung, Schadensersatz etc. und erklären ausdrücklich, dass diese Informationen nicht die Auffassung der Initiatoren und Kooperationspartner der Initiative Herzbewusst wiedergeben.