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Verschiedene Beschwerden nach Herzinfarkt beeinflussen stark meinen Alltag

Autor
Datum
Seven
15.03.2019, 07:52 Uhr

Hallo zusammen,

erst möchte ich mich bedanken, dass es Menschen wie Sie gibt, die jemanden die Möglichkeit geben Hilfe oder Rat zu suchen.

Zu meiner Geschichte:

ich bin 38 Jahre, 189 cm, wog zu der Zeit ca. 105 kg und hatte letztes Jahr Ende Oktober einen Herzinfarkt.

Soweit so "gut"... 1 Stent ist gesetzt worden. Anschließende Untersuchungen haben ergeben, dass sich kein Narbengewebe gebildet hat und ich keiner Einschränkungen habe.

Ich habe mir auch nochmal vor 6 Wochen Blut abnehmen lassen. Das schlechte Cholesterin im oberen Grenzbereich, das gute Cholesterin einen Tacken zu niedrig - der Klassiker eben. Aber alles auf den Weg der Besserung.

Aktuell, durch meine kleinen Sporteinheiten am Tag, bin ich auf ca. 96 kg runter. Nach den Ärzten und der Ernährungsberatung hätte ich nicht abnehmen müssen, da ich scheinbar gute Gene habe, aber wenn man alles zuckerige weglässt und Sport macht, kommt das automatisch, schätze ich mal.

Gerade in der Reha sagte man mir: Sie nehmen morgens einfach die Tabletten und dann können Sie einen ganz normal in den Tag gehen.... Und ich sage Ihnen: Das ist nicht so!

Meine Medikation direkt nach dem Herzinfarkt:

- ASS 100; 1-0-0-0

- Brilique 90mg; 1-0-1-0

- Atorvastation 20mg; 0-0-1-0

- Metoprololsuccinat 23,75mg; 1-0-1-0

- Ramipril 2,5mg; 1-0-0-0

- Folsab 5mg; 1-0-0-0

Mit dieser Dosierung ging es mir so schlecht... das kann ich keinem erzählen. Ich habe mich jeden Tag gefühlt als ob ich von der Welt müsste... kein Spaß... von Mitte Dezember bis Februar eine absolute Vollkatastrophe. Kardiologentermine zu bekommen als Kassenpatient unmöglich, Hausarzt sagt: "Ja, daran gewöhnen sie sich" und im Krankenhaus wird der Zustand als "normal" abgestempelt und man soll jemanden zum Quatschen suchen.

Im Februar hatte ich meinen Kardiologentermin, der direkt den Medikationsplan geändert hat.

- ASS 100; 1-0-0-0

- Brilique 90mg; 1-0-1-0

- Atorvastation 20mg; 0-0-1-0

- Metoprololsuccinat 23,75mg; 1-0-0-0

- Ramipril 2,5mg; 0-0-0-0

- Folsan 5mg; 1-0-0-0

Seither ist es schon ein Stück besser geworden, aber ich habe weiterhin Beschwerden:

- willkürlich auftretender Schwindel (man fühlt sich so komisch schummrig)

- Starke Kopfschmerzen (überwiegend eher drückende Kopfschmerzen)

- Kopfüber hocken oder Übungen machen wie z.B. Liegestütze geht nicht mehr. Ich bekomme direkt das Gefühl das mir der Kopf explodiert.

- Mittlerweile sogar Panikschübe und die nerven mal so richtig!

Wer kann einem das mit den Panikattacken übel nehmen? 4 Monate in denen man abgefertigt wird und gesagt wird: "Da ist nichts, ist normal, legen Sie sich mal hin und ruhen sich aus" etc. etc. etc. Der Zustand schränkt einen einfach nur noch ein.

Komisch nur: Als ich einen Teil der Tabletten weglassen durfte, ging es mir wesentlich besser...

Jetzt bitte nicht denken, dass ich Tabletten einfach so auslasse - alles nur auf schriftliche Anweisung vom Arzt! Deswegen renne ich ja von Arzt zu Arzt und versuche mir Besserung zu verschaffen.

Weiterhin war ich wegen meinem Schwindel und den Kopfschmerzen beim HNO und beim Neurologen, die mich komplett untersucht haben. Alle Tests vollkommen im normalen Bereich. Eine Schlafüberwachung vom HNO habe ich noch im Mai.

Beim Chiropraktiker und bei der Hypnose war ich auf eigene Kosten auch schon.

Meine Blutdruckwerte sind im normalen Bereich. Teilweise steigt der DIA Wert auf über 90. Und das merke ich sofort. Die anderen Werte sind ok, aktuelle Messung: 130/90/71, links gemessen.

Schlimm wird es z.B., wenn der Blutdruck bei 148/95/93 wird. Das war auch schon mal der Fall. 4 Minuten später, war er dann bei 115/82/78.

Was können Sie mir raten?

Was kann ich machen, damit es mir besser geht?

Mir fällt langsam echt nichts mehr ein.

Jeder sagt mir: Das ist normal, aber warum fühle ich mich nicht normal? Ich war nie ein kränklicher Typ, ich war die letzten 8 Jahre nie ernsthaft krank, vielleicht mal eine Erkältung oder so.

Bei Rückfragen können Sie mir gerne Bescheid geben.

Viele Grüße und Danke!

Dr. med. Ingo Bläse
17.03.2019, 19:02 Uhr

Sehr geehrte/r Frau/Herr Seven,

ich versuche Ihr Problem kurz zusammen zu fassen.

Sie hatten einen Herzinfarkt ohne verbliebene Einschränkung der Herzfunktion. Nun müssen Sie Ihr Leben umstellen, damit ein ähnliches Ereignis in den nächsten 50 Jahren nicht wieder auftritt. In der aktuellen Situation fühlen Sie sich jedoch schlechter als zuvor. Ist es die Medikation? Ist es der Gewichtsverlust und die Umstellung der Lebensgewohnheiten? Ist es die psychische Belastung, da ein Herzinfarkt mit 38 Jahren nicht der Normalfall ist?

Alle Faktoren müssen bedacht werden. Der Kardiologe muss die Medikation austesten und eventuell anpassen, Sie müssen sich an die neue Situation gewöhnen und sicherlich die Lebensumstellung weiter beibehalten. Eventuell sollten Sie auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Nicht umsonst gibt es das Fachgebiet Psychokardiologie.

Zusammenfassend haben Sie von Seiten des Herzens die besten Voraussetzungen und nun müssen Sie mit Ihren Ärzten den Weg in eine gesunde Zukunft finden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. I. Bläse

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