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Von DDD-ADI-R auf DDD-CLS umgestellt, was machen die Einstellungen vom ICD Biotronik genau?

Autor
Datum
dieganzewelt
18.08.2020, 14:01 Uhr

Hallo, ich bin 18 Jahre alt, w und habe eine sehr seltene Natrium-Ionenkanalerkrankung, chronotopen sick Sinus-Syndrom, Rechtsschenkelblock, Brugada-Syndrom ICD: Biotronik Ilivia Programm: DDD-CLS-60/min Vorher Programm: ADI-R Meine Frage ist: was ist der Unterschied an diesen Programmen? Mit dem jetzigen ist mein Herz oft unregelmäßig. Mit dem alten Programm war es regelmäßig, aber oft mit atrialer Tachykardie, unter Belastung. Der Arzt war so überzeugt von ADI-R, hat es aber umgestellt, weil ich immer wieder das Gefühl von Herzrasen hatte. Beim neuen Programm fühle ich mich sehr wohl! Aber manchmal ist es sehr unregelmäßig (an dieser Stelle wäre im alten Programm wahrscheinlich das Herzrasen-Gefühl). Ist das alte etwa besser? Entlastender für mein Herz? Der Arzt sagte, ich müsse einfach mehr Sport machen und nicht darauf achten. Würde mich aber trotzdem sehr interessieren! Vielen Dank. Lg. DieganzeWelt

Dr. med. Heribert Brück
19.08.2020, 17:58 Uhr

Hallo "DieganzeWelt",

bei der Schrittmacherprogrammierung gibt der erste Buchstabe an, in welcher Kammer der Schrittmacher evtl. einen Impuls abgibt, der zweite Buchstabe bezeichnet die Kammer, in der Wahrnehmungen gemacht werden und der dritte Buchstabe bezeichnet den Arbeitsmodus.
Bei den ersten beiden Buchstaben steht A für Atrium (Vorkammer), V für Ventrikel (Herzkammer) und D für beide Kammern. Beim dritten Buchstaben bedeutet I der Schrittmacher wird durch eine Wahrnehmung inhibiert (d.h. er gibt dann keinen Impuls ab), T steht für getriggert (d.h. er gibt nach einer Wahrnehmung einen Impuls ab) und D steht wieder für beides. Dann gibt es noch Zusätze wie R für "Rate modulation" (d.h. der Schrittmacher kann bei bedarf die Frequenz erhöhen, wenn dies notwendig ist; CLS ist eine besondere Form dieser Frequenzanpassung, die besonders effektiv ist).
ADI-R bedeutet also: der Schrittmacher gibt im Vorhof einen Impuls ab, wenn die Frequenz unter einen bestimmten Wert abfällt, er macht Wahrnehmungen im Vorhof und in der Kammer und wird durch eine Wahrnehmung inhibiert; andererseits kann er die Frequenz bei Bedarf (z.B. bei Belastung) selbst erhöhen.
DDD-CLS bedeutet, dass im Vorhof und in der Kammer Wahrnehmungen gemacht werden, dass in beiden Kammern Impulse abgegeben werden können und der Schrittmacher durch eine Wahrnehmung sowohl inhibiert werden kann, er braucht dann keinen Impuls abzugeben, wenn das Herz das selbst erledigt, er kann aber durch eine Wahrnehmung im Vorhof, wenn die Kammer nicht spontan einsetzt, dort einen Impuls abgeben; und er kann die Frequenz dem Bedarf anpassen.
Welche Programmierung die beste ist, muss immer individuell anhand der vorliegenden Messergebnisse und des vorhandenen Rhythmus entschieden werden.

Herzliche Grüße
Dr. Heribert Brück

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