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Zwei verschiedene Herzrhythmusstörungen

Autor
Datum
VKorte
30.06.2015, 17:49 Uhr

Hallo,

ich bin 25 Jahre alt, weiblich,wiege 77 kg und bin 180 cm groß.

Ich habe eine Frage und beschreibe kurz meine Situation. Vor ca. drei Monaten hatte ich wahnsinnigen Stress (duales Studium, Umzug, Hochzeit). Immer öfter, ca. vier bis fünf Mal am Tag für zehn Minuten, bemerkte ich, dass mit meinem Herz etwas nicht stimmt. Mein Herzschlag war normal, setze dann für ca. einen Schlag aus und machte daraufhin einen heftigen unangenehmen Schlag, den ich im Hals spürte. Ebenfalls gab es Situationen, in denen plötzlich ein Schalter umging und mein Herz einen Puls von 200 Schlägen pro Minute bekam, aber nur ca. zwei Minuten lang. Das ging bis zu dem Tag, an dem es nicht mehr wegging und ich mit dem Krankenwagen, 250 Schlägen pro Minute und Vorhofflimmern ins Krankenhaus kam (am Abend vorher hatte ich viel Alkohol getrunken). Diagnose: Ektope atriale Tachykardie mit positiven P-Wellen in den inferioren Ableitungen 1 und aVL. DD Ursprungsort im Bereich der rechten oberen Pulmonalvene.

Elektrophysiologische Untersuchung mit mehrfachen Anläufen einer atrialen Tachykardie Zykluslänge von 290 ms jeweils kurz anhaltend. Bei RVA Stimulation dekrementale retrograde Leitung über AVN. IVP 260 ms. Aufgrund meines jungen Alters wurde keine Verödung durchgeführt. Ich nehme seit fünf Wochen Bisoprolol 2,5 mg.

Die ersten Zwei Wochen ohne Probleme. Herzrasen habe ich nicht mehr. Allerdings bekomme ich nun täglich fast zehn Mal das oben beschriebene Herzstolpern. Mein Herzschlag ist oft unregelmäßig. Zwischendurch verlangsamt das Herz und macht starke unangenehme Schläge. Ist das durch Bisoprolol normal? Mit diesem Herzstolpern bin ich nicht mehr lebensfähig.

Manchmal passiert zwei Tage lang nichts und dann doch wieder vier bis fünf Mal zehn Minuten lang. Das Langzeit-EKG war in Ordnung, weil an dem Tag auch nichts passierte. Ich leide unter Todesängsten, mir ist dann schwindelig und ich habe Angst, dass mein Herz stehen bleibt, weil es ja wie gesagt dann einen Schlag aussetzt. Mir wurde im Krankenhaus auch gesagt dass ich zwei Arten von Herzrhythmusstörungen habe. Dieses steht jedoch nicht im Befund. Ist es gefährlich? Kann dieses Herzstolpern durch eine Ablation beseitigt werden?

Vielen Dank im Voraus.

Dr. med. Karl-Friedrich Schmitz
01.07.2015, 22:18 Uhr

Sehr geehrter User,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst kann ich Ihnen mitteilen, dass beide von Ihnen beschriebenen Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern, atriale Tachykardien) per se nicht lebensbedrohlich sind, sofern eine bedeutsame kardiale Grunderkrankung ausgeschlossen wurde (davon gehe ich aus, wenn sie in einer kardiologischen Fachklinik mit Möglichkeit zur elektrophysiologischen Behandlung waren) und sofern diese Herzrhythmusstörungen adäquat behandelt werden. Als Behandlungsmöglichkeit gibt es prinzipiell außerhalb und gegenbenenfalls ergänzend zum Bisoprolol auch andere medikamentöse Maßnahmen sowie auch Ablationsverfahren wie zum Beispiel Pulmonalvenen-Isolationen.

Da Sie unter der bisherigen Behandlung noch Beschwerden haben, würde ich Ihnen daher empfehlen, sich in der Klinik Ihres Vertrauens, also am ehesten zunächst einmal in der vorbehandelnden Klinik, oder auch bei einem niedergelassenen Kardiologen in Ihrem Umfeld mit der Fragestellung einer geänderten Therapie vorzustellen. Ich gehe fest davon aus, dass man Ihnen in Würdigung Ihrer Vorgeschichte und der bisher erhobenen Vorbefunde dort eine vernünftige Behandlungsstrategie aufzeigen kann. Zudem würde ich Ihnen raten, bis auf Weiteres auf Alkohol ganz zu verzichten, da wir wissen, dass zumindest Vorhofflimmern auch bei sonst herzgesunden Patienten durch Alkohol ausgelöst werden kann.

Viele Grüße
K.F. Schmitz

VKorte
19.11.2015, 21:35 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Ärzte und Ärztinnen,

nochmals wende ich mich nun an Sie und bitte nochmals um einen Rat. Meine Herzprobleme haben sich mittlerweile verschlimmert.

Nachdem ich die Probleme mit Vorhofflimmern und den sehr schlimmen Extrasystolen (Ursprung aus Vorhof und Kammern) hatte, nehme ich nun seit einigen Monaten Flecainid morgens und abends 50 mg. Dann war erst alles gut.

Nun lag ich mittlerweile wieder mehrfach im Krankenhaus. (Puls über 250), mehrfach elektrische Kardioversion aufgrund von Vorhofflattern diese Male, ebenfalls bekomme ich wöchentlich eigenartige Anfälle von Hitze und Todesangst, Herzrasen und Beklemmungsgefühlen und schaffe es mittlerweile nicht mal mehr Treppen bis ins 2. OG zu laufen, ohne dass mir fast schwarz vor Augen wird. Zusätzlich stand auf dem letzten Entlassungsbrief als Diagnose jetzt noch Hypokaliämie und latente Hyphothyreose. Also Kaliummangel und Schilddrüsenunterfunktion? Sehen Sie dort einen Zusammenhang mit meinen Herzproblemen? Im Krankenhaus sagte man mir davon gar nichts, bis ich die Fachausdrücke mal googelte. Sollte ich das auch behandeln lassen? Habe nun einen Termin zur Ablation aber sollte man nicht die Schulddrüse behandeln und dem Kaliummangel auf den Grund gehen? Ebenfalls wurde mein Betablocker erhöht und Blutverdünner und zusätzliche Mineralstoffe und Vitamine nehme ich nun auch noch. Das ist alles ganz schön viel und für mich nicht normal.

Ich bin so verzweifelt. Meine Lebensqualität ist zu 70% eingeschränkt und meine einst so große Lebensfreude ist weg. Arbeiten ist eine große Belastung geworden und ich bin erst 25 und stehe mitten im Studium.

Ich nehme die Pille und zwar ohne Einnahmepause seit ca. 2 Jahren. Kann das Ganze auch vielleicht daher kommen?

Ich habe in meinem Alter also Vorhofflimmern, ventrukläre und supraventrikuläre Extrasystolen, ektope atriale tachykardie und Vorhofflattern. Die Ärzte im Krankenhaus sagten auch, es sei nicht normal. Es kann doch auch nicht alles abladiert werden. Was meinen Sie dazu, hat das Ganze nicht vielleicht eine Ursache aus anderen Organen, Hormonen usw.? Ich bin ratlos. Ich lebe und ernähre mich ganz normal, rauche nicht, hatte nie Krankheiten und mein Herz sei organisch gesund. Stress habe ich auch nicht.

Ich weiß, Ferndiagnosen sind schwer aber vielleicht haben Sie ja einen Vorschlag oder einen Lichtblick für mich.

Vielen Dank im Voraus für die Zeit, die sich nehmen meinen Text zu lesen

Dr. med. Karl-Friedrich Schmitz
20.11.2015, 16:05 Uhr

Liebe Userin,

es ist nicht einfach, ohne Kenntnisse genauer Befunde Ihre offensichtlich doch eher komplexere rhythmologische Situation zu beurteilen. Nach Ihrer Vorgeschichte und den bereits erfolgten Therapieversuchen ist eine invasive elektrophysiologische Diagnostik mit der Möglichkeit einer Ablation sicherlich der richtige Schritt. Nur bei dieser Untersuchung kann man definitiv klären, welche Arrhythmien aus welchem Teil des Herzens kommen, und wie man diese unterbinden kann.

Natürlich gibt es Zusammenhänge zwischen Herzrhythmusstörungen und dem Elektrolythaushalt im Blut. Lassen sie hier ggfs. noch einmal die Werte bei Ihrem Hausarzt kontrollieren. Bei der Schilddrüse ist eher eine Überfunktion mit gehäuften Arrhythmien verbunden, vorsichtshalber würde ich aber auch hier noch einmal genauere Befunde beim Hausarzt erfragen oder neu anfertigen lassen.

Ich bin optimistisch, dass sich nach einer nun geplanten Elektrodiagnostik und -therapie Ihrer Arrhythmien Ihre Lebenssituation wieder deutlich verbessert.

Viele Grüße
K.F. Schmitz

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