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Angst wegen Herzproblemen

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Datum
Ela0080
23.05.2020, 19:26 Uhr

Hallo, ich (40, sportlich)habe schon seit 7 Jahren Herzstolpern. Es fing von einem Tag auf den anderen an und hörte nicht mehr auf. EKG‘s ergaben laut Ärzten nichts schlimmes. Im Echo wurde eine leichte Mitralklappeninsuffizienz und eine Aortenektasie festgesellt. Ich bin Angstpatientin und das mit der seltsame hat mich natürlich schon getriggert. Beim Sport sind die Unregelmässigkeiten beim Herzschlag manchmal sehr extrem, fast kein normaler Rhythmus spürbar. Meine Applewatch zeigte mir in so einer Situation schonmal „Vorhofflimmern“ auf dem Display. Als ich zur Ruhe kam war es wieder ok. Ebenso hab ich zwischendurch mal eso Doppelschläge und dann einen Aussetzer... das kann schonmal länger so gehen. Gestern hatte ich eine betriebsärztliche Untersuchung (bin Krankenschwester) und da wurde auch ein EKG gemacht. Auf dem Ausdruck stand „linksanteriorer Hemiblock, evtl Vorderwandinfarkt“ Die Ärztin sagte es sei nichts dramatisches und ich soll mir keine Gedanken machen. Natürlich mache ich mich seit gestern total verrückt. Ich bin gedanklich nur noch mit meinem Herzen beschäftigt und habe eine Panikattacke nach der nächsten. Im August habe ich einen Kardiologentermin, vor dem Ich aber totale Angst habe. Auch habe ich eine wahnsinnige Angst das mir etwas passiert.

Dr. med. Peter Zündorf
24.05.2020, 08:31 Uhr

Hallo Ela0080,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ich habe mir Ihre Mail genau durchgelesen und mir Gedanken gemacht.
Sie machen sich Sorgen wegen der Extraschläge Ihres Herzens sowie der fraglichen Infarktdiagnose im EKG.
Es ist klar, dass mir aus der Ferne keine sicheren Diagnosen möglich sind, aber wenn ich alles zusammennehme, bin ich mir ziemlich sicher, dass Sie sich wegen beider Punkte keine Sorgen machen müssen.
Wichtig ist, dass der Echo-Befund bis auf die Aortenektasie (wahrscheinlich Ascendens) praktisch in Ordnung ist. Eine leichte Mitralklappeninsuffizienz ist physiologisch. Der linksanteriore Hemiblock führt zu einem EKG-Bild, dass einem Vorderwandinfarkt ähnlich ist. Damit dürfte die (automatische) EKG Interpretation erklärt sein, und wenn ein echter Infarkt da wäre, würde man das ja im Allgemeinen auch im Echo sehen. Dem entspricht ja auch die Aussage Ihrer Betriebsärztin.
Mit den normalen Echo-Befund ist die Extrasystolie stark relativiert. Selbst wenn Sie Vorhofflimmern haben sollten, wäre das mit "40 Jahren, sportlich" kein Grund für größere Befürchtungen oder z.B. eine orale Antikoagulation, wenn nicht weitere Befunde dazu kommen.

Das Ausmaß der Aszendensektasie haben Sie nicht beschrieben, wenn das aber deutlich wäre, müsste man das sicherlich im Auge behalten. Das hat aber mit Ihren Befürchtungen nichts zu tun.

Ich würde bestimmte Laborwerte kontrollieren lassen, insbesondere Schilddrüsenwerte, Eisenstatus (Transferrin-Sättigung), und das Übliche wie kleines Blutbild, Kreatinin, Elektrolyte und wichtige Leberwerte.

Ansonsten kann ich Ihnen nur raten, sportlich aktiv zu bleiben, Fitness ist ein ganz wichtiger gesundheitlicher Schutzfaktor und sehr gut zur Stressbewältigung. Ferner gegebenenfalls Nikotinkarenz, Meiden von Übergewicht etc.

Ich hoffe, ich konnte Sie etwas beruhigen,
wünsche Ihnen alles Gute

Dr. Peter Zündorf, Hannover

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