Reha nach dem Herzinfarkt

Sie haben den Herzinfarkt überstanden und die Bypass-Operation ist gut verlaufen. Spätestens nach einer Woche dürfen Sie das Krankenhaus wieder verlassen.

Jetzt ist Ihr Wunsch sicher groß, wieder so normal wie möglich weiterzuleben. Eine Rehabilitation, kurz Reha, ist die beste Möglichkeit, diesen Wunsch wahr werden zu lassen. Sie lernen dort, sich auf Ihre Krankheit einzustellen und Risikofaktoren für einen neuen Herzinfarkt zu vermeiden.

Eine Frau in einem violetten Jogginganzug trainiert auf einem Stepper während neben ihr ein Mann in Krankenpfleger Bekleidung steht. Im Hintergrund trainieren ein älterer Mann und eine Frau in blauer Bekleidung auf einem Stepper.

Nach einer Bypass-Operation wird Ihnen höchstwahrscheinlich empfohlen, nach dem Krankenhausaufenthalt eine stationäre Rehabilitation anzuschließen. Studien zeigen, dass eine solche Rehabilitationsmaßnahme, die meist als sogenannte Anschlussheilbehandlung direkt nach der Akutbehandlung durchgeführt wird, das Risiko für einen erneuten Infarkt senkt. Grundsätzlich steht jedem Patienten mit einer chronischen Herzkrankheit oder einem Herzinfarkt eine Reha im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung zu. Ob die Maßnahme unter den individuellen Bedingungen für Sie sinnvoll ist, entscheidet Ihr behandelnder Arzt. Auf jeden Fall lohnt es sich, Ihren Arzt auf eine Reha anzusprechen, da diese Ihnen hilft, einem weiteren Herzinfarkt vorzubeugen – egal ob ambulant oder stationär.

Eine ambulante Reha von zu Hause aus eignet sich allerdings nur für leichte Fälle, da Sie belastbar genug sein müssen, um mehrmals in der Woche in die Reha-Einrichtung fahren zu können.

Wenn Sie noch im Erwerbsleben stehen, werden die Kosten der Reha von den Rentenversicherungsträgern übernommen. Bei Renten-Empfängern übernimmt die Krankenversicherung die Kosten.

Ein jüngerer Mann mit freiem Oberkörper bei einem Belastungs-EKG. Auf seinem Oberkörper sind Elektroden angebracht. Eine Frau und ein Mann im Kittel stehen rechts und links neben ihm.
Stationäre Reha – durch gezielte Rehabilitationsmaßnahmen wird die körperliche Belastbarkeit nach dem Myokardinfarkt verbessert.

Das Angebot der Reha-Kliniken in Deutschland ist groß: Oft ist es sogar möglich, während der Rehabilitationsmaßnahme zu Hause wohnen zu bleiben. Welches Konzept Ihnen mehr zusagt, ist individuell verschieden. Ein akuter Herzinfarkt ist immer ein Einschnitt ins bisherige Leben. Vielleicht wünschen Sie sich gerade jetzt die Nähe zur Familie und möchten Ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen. Oder Sie möchten die Chance nutzen, herauszukommen und den Stress des Alltags hinter sich zu lassen. Viele stationäre Rehakliniken sind auch landschaftlich reizvoll gelegen, beispielsweise an einem See oder im Schwarzwald.

Zwei Frauen und ein älterer Mann sitzen auf Stühlen nebeneinander und haben rote Terra-Bänder um ihre Füße gewickelt, die sie mit den Armen seitlich nach oben ziehen. Neben einer der Frauen steht eine weitere jüngere Frau.
Ambulante Reha nach dem Myokardinfarkt – gezielte Übungen unter fachkundiger Anleitung helfen den Gesundheitszustand zu stabilisieren.

Ob Sie Ihre Reha nach einem Herzinfarkt ambulant durchführen können, hängt von Ihrem medizinischen Zustand ab und sollte am besten gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt entschieden werden. Wenig hilfsbedürftige und selbstständige Patienten können eher eine ambulante Reha besuchen als solche, die noch viel Pflege bedürfen und für die beispielsweise die Anfahrt zur Reha-Einrichtung mit Belastung und Stress verbunden ist.

Das Angebot von ambulanten und stationären Rehakliniken sollte sich in der Regel nicht wesentlich unterscheiden. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, achten sie auf die Zertifizierung der Einrichtung: Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. vergibt die Zertifikate „Kardiologische Rehabilitation nach den Qualitätsstandards der DGPR“ sowie „AHB-Klinik für herzkranke Diabetiker“.

Für die Klinikwahl können Sie verschiedene Faktoren berücksichtigen: etwa das Leistungsspektrum, die Region oder die Nähe zum Wohnort. Ihre Reha beantragen Sie schriftlich beim Träger der Kosten, hier erhalten Sie auch die notwendigen Formulare. Geht es vorrangig um die Wiederherstellung Ihrer Gesundheit, ist die gesetzliche Krankenkasse verantwortlich, bei der Sie versichert sind. Ist das Ziel der Reha-Maßnahme, dass Sie wieder fit werden für den Wiedereinstieg in Ihr Arbeitsleben, übernimmt die Rentenversicherung die Kosten.

Sie dürfen Ihre Wünsche zur Klinikwahl im Antrag angeben und der Leistungsträger muss diesen Wünschen entsprechen: Sie haben nach einem Myokardinfarkt bei der Auswahl der Rehaklinik ein Wunsch- und Wahlrecht. So heißt es in § 8 SGB IX, Wunsch- und Wahlrecht der Leistungsberechtigten: „Bei der Entscheidung über die Leistungen und bei der Ausführung der Leistungen zur Teilhabe wird berechtigten Wünschen der Leistungsberechtigten entsprochen. Dabei wird auch auf die persönliche Lebenssituation, das Alter, das Geschlecht, die Familie sowie die religiösen und weltanschaulichen Bedürfnisse der Leistungsberechtigten Rücksicht genommen.“

Die Rehabilitationsmaßnahmen werden von den Ärzten individuell auf Ihre Situation angepasst zusammengestellt. Grundlage für die Beurteilung sind Ihre persönlichen Risikofaktoren, einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, und Ihre individuelle Belastbarkeit sowie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand.

Der Aufenthalt in der Reha dauert nach einem Herzinfarkt in der Regel drei Wochen. Bei Bedarf kann der Zeitraum auf vier Wochen verlängert werden. Ein Team aus Ärzten, Physiotherapeuten, Ernährungsberatern, Psychologen und Sozialarbeitern wird Sie während Ihrer Rehabilitation betreuen und begleiten.

Ihre körperliche Leistungsfähigkeit wird durch Bewegungs- und Physiotherapie verbessert, Sie erlernen einen gesünderen Lebensstil (Ernährung, Raucherentwöhnung) und bekommen die notwendige Hilfe, Ihre Erkrankung auch psychologisch zu verarbeiten und Stress abzubauen. Eine weitere Aufgabe der Rehakliniken und der dort arbeitenden Ärzte ist es, Ihre Therapie fortzuführen, die nach einem Myokardinfarkt in der Akutklinik begonnen wurde. Die meisten Therapiemaßnahmen werden in kleinen Gruppen von maximal 10 Personen angeboten und beanspruchen 5 bis 6 Tage in der Woche täglich etwa 4 bis 6 Stunden.

Körperlicher (somatischer) Bereich: Die Bewegungstherapie hat in der Reha nach einem Herzinfarkt einen hohen Stellenwert. Ausdauertraining und leichtes Krafttraining sollen Ihre Leistungsfähigkeit und Ihre Herzgesundheit verbessern. Die Intensität des Trainings wird an Ihre persönliche Belastbarkeit angepasst und umfasst Gymnastikübungen, Fahrradergometrie, Schwimmen, Geh- und Lauftraining sowie Spaziergänge – immer begleitet von Therapeuten. Auch Entspannungsübungen, die Ihnen in Stresssituationen helfen können, gehören dazu.

Bildungs- (edukativer) Bereich: Sie sind für Ihre Herzgesundheit eigenverantwortlich! Das zu erkennen und in Ihrem Alltag umsetzen zu können ist Ziel dieses Therapiebereichs. Er umfasst die Ernährungsberatung, in der Sie in Lehrküchen die praktische Umsetzung einer herzgesunden Ernährung erlernen. Zudem werden Sie in der Gesundheitsbildung über einen gesunden Lebensstil informiert. Dazu gehören Zusammenhänge zu verstehen und Risikofaktoren wie z.B. Übergewicht oder Rauchen zu vermeiden. Sie erhalten Informationen darüber, wie wichtig eine oft lebenslange Therapietreue ist, also die regelmäßige Einnahme von Medikamenten.

Psychischer Bereich: In Einzel- oder Gruppengesprächen wird Ihnen Raum geboten, das Erlebte seelisch zu verarbeiten. Nach einem solch einschneidenden Erlebnis wie einem Infarkt leiden Patienten nicht selten an Depressionen oder Angstzuständen, die mit Hilfe von Psychologen behandelt werden können. In manchen Kurkliniken werden auch Programme zur Raucherentwöhnung angeboten.

Sozialer Bereich: Wenn Sie noch im Berufsleben stehen, können Sie sich im Rahmen der sozialmedizinischen Beratung Hilfe zur beruflichen Tätigkeit bzw. zur Arbeitswiederaufnahme holen. Aber auch Tipps für den Wiedereinstieg ins Sozialleben oder Fragen zur sozialen Absicherung sind Thema in diesem Therapiebereich.

Obwohl meist eine lebenslange medikamentöse Behandlung erforderlich ist, brechen über 20 Prozent der Herz-Kreislauf-Patienten ihre Therapie ab oder nehmen ihre Medikamente nicht regelmäßig ein. Diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig es für Sie ist zu lernen, wie Sie einen weiteren Herzinfarkt verhindern können. Wenn Sie Ihre Erkrankung verstehen, ernst nehmen und mit ihr zu leben lernen, können Sie Ihre Lebensqualität und Lebenserwartung entscheidend verbessern.

Wichtige Aspekte und Ziele Ihrer Reha nach dem Herzinfarkt:
  • Annahme Ihrer Erkrankung
  • Kenntnis über Ihre Erkrankung, deren Ursache und Behandlung
  • Wiederherstellung Ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Seelische Unterstützung und Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten

Wieder zu Hause heißt es für Sie nun, das Gelernte dauerhaft und konsequent in Ihrem Alltag umzusetzen. Zur Unterstützung eignen sich hierfür am besten wohnortnahe ambulante Herzgruppen. Im Austausch mit Gleichgesinnten fällt es Ihnen vielleicht leichter, Ihre neu erlernte herzgesunde Lebensweise beizubehalten. Herzgruppen bieten auch die Möglichkeit, Ihre Bewegungstherapie unter ärztlicher Aufsicht fortzusetzen oder an Entspannungsübungen teilzunehmen.

Relevante Fragen zum Thema aus dem Expertenforum

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