Depression nach dem Herzinfarkt?

Wie geht es nach dem Herzinfarkt weiter? Werde ich wieder leistungsfähig und beruflich aktiv sein? In welcher Hinsicht muss ich meinen Lebensstil ändern? Diese und ähnliche Gedanken werden Sie als Herzinfarktpatient kennen.

Das ständige Grübeln und die Angst vor der neuen Situation als Herzinfarktpatient kann depressive Verstimmungen und auch eine echte Depression hervorrufen. Gerade für Menschen, die bisher engagiert und im Berufs- und Familienleben immer sehr aktiv waren, ist es ein Schock, sich von einem Tag auf den anderen als schwach und verwundbar zu erleben. Dazu kommt oft auch die Angst vor einem erneuten Herzinfarkt.

Ein Mann mit weißen Haaren und weißem Vollbart.

Diese seelische Belastung führt dazu, dass Patienten in den ersten sechs Monaten nach einem Herzinfarkt dreimal häufiger an einer echten Depression erkranken als gesunde Menschen. Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Patienten nach einem Herzinfarkt an einer Depression leiden.

An der Schnittstelle von Herz und Psyche hat die Psychokardiologie Methoden entwickelt, die Herzpatienten oder von Herzerkrankung bedrohten Menschen Hilfe bieten kann. Die Bewältigung der psychischen Belastung bei Herzinfarkt stellt für den Einzelnen eine erhebliche Herausforderung dar und ist auch sehr wichtig für den weiteren Genesungsprozess.

Gefühls- und Stimmungsschwankungen, Phasen von Niedergeschlagenheit oder Missmut können Sie nach einem Herzinfarkt öfter „heimsuchen“. Jeder von uns kennt Gefühlstiefs, beispielsweise bei Misserfolgen in der Arbeit oder beim Verlust eines geliebten Menschen. Aufwühlende Gefühle sind menschlich und normal. Sie fördern die Bewältigung ungewohnter, ja schwieriger Situationen und sind in der Regel nach einer überschaubaren Zeit wieder vorbei. Ein plötzlicher Herzinfarkt wirkt auf die meisten Betroffenen bedrohlich und kann starke Ohnmachtsgefühle und Ängste auslösen. Zögern Sie nicht, sich im Zweifel in ärztliche Hilfe zu begeben. Ihre akuten Gefühle und Sorgen sollten nicht bestehen bleiben und in eine ausgeprägte Depression umschlagen.

Eine Depression hat viele Gesichter und macht sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar. Viele Patienten fühlen sich schuldig und glauben, die Herzkrankheit „verdient“ zu haben. Andere sind ständig müde und können nachts trotzdem nicht schlafen. Wieder anderen fällt es schwer, sich aufzuraffen, beispielsweise um ihre Essgewohnheiten zu ändern oder mehr Bewegung in ihren Alltag zu bringen. Die Angst, nach einem Herzinfarkt nicht wieder die gewohnte Leistungsfähigkeit zu erreichen, kann in unserer Leistungsgesellschaft eine enorme seelische Belastung darstellen.

Was können Sie also tun, wenn depressive Verstimmungen aufkommen und sich hartnäckig halten? In erster Linie ist es wichtig, dass Sie versuchen, sich auf Ihren Genesungsprozess zu konzentrieren und positiv nach vorne zu schauen – so unerreichbar das zunächst erscheinen mag. Holen Sie auch Ihren Partner mit ins Boot oder bitten Sie Angehörige und Freunde, Sie beispielsweise bei der Ernährungsumstellung oder bei sportlichen Aktivitäten zu unterstützen. Schließen Sie sich einer Herzsportgruppe an, in der Sie sich neben körperlichem Training unter ärztlicher Aufsicht auch mit Gleichgesinnten über deren Ängste und Gefühle austauschen können. Sie werden schnell merken, dass Sie nicht allein sind.

Wenn Sie glauben, es aus Ihrem Gefühlstief nicht allein heraus zu schaffen, zögern Sie nicht, professionelle ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit psychologischer Unterstützung gelingt es Ihnen nach einem Herzinfarkt eher wieder Vertrauen in die eigenen Kräfte zu fassen und neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Denken Sie bitte immer daran: Eine Depression ist keine Einbildung und keine lapidare persönliche Schwäche. Sie ist eine ernsthafte Erkrankung, die behandelt werden muss, damit auch Ihr Herz möglichst schnell wieder fit wird und bleibt.

Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Anlaufstellen zur Beratung rund um das Thema Depression:

Relevante Fragen zum Thema aus dem Expertenforum

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