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Bluthochdruck, Betablocker, Gewichtsabnahme, Atemnot

Autor
Datum
sonja.marina
30.05.2018, 15:15 Uhr

Hallo,

ich bin auf der Suche nach Informationen, Tipps und Hilfestellungen für meinen Lebensgefährten, da ich mir einfach wahnsinnig Sorgen mache und langsam nicht mehr weiter weiß.

Mein Lebensgefährte ist jetzt 30 Jahre alt...

Er leidet seit einigen Jahren an Bluthochdruck und einem zu hohen Puls (immer um die 95 im Ruhezustand ohne Medikation), dies wurde vor ca. 3 Jahren diagnostiziert, woraufhin er nach und nach auf diverse Medikamente eingestellt wurde.

Der Bluthochdruck kam eher schleichend. Er hat früher viel Sport getrieben (Rennrad fahren, Fußball spielen). Er war zwar schon immer etwas kräftiger gebaut aber sportlich.

hier erst mal die wichtigsten Daten zur Medikation:
Bis zum 15.05.18
Morgens:
HCT 25 mg
Bisoprolol 1,25 mg
Valsartan 80

Abends:
Bisoprolol 0,75 mg

Umstellung seit dem 16.05.18
Morgens:
HCT 25mg
Metroprolol 23,75 mg
Valsartan 80
Salbutamol 1 Hub

Abends:
Salbutamol 2 Hübe

Sowie zur Zeit zusätzlich Nahrungsergänzung:
Orthomol I-Care

Das Bisoprolol wurde schleichend abgesetzt, das Metroprolol dann entsprechend angesetzt.
Die Umstellung der Betablocker wurde auf Grund der starken Nebenwirkungen trotz geringer Dosis angeordnet (Wassereinlagerungen in den Füßen/Beinen, Armen und Gesicht, Atemnot, körperliche Schwäche, Gewichtszunahme, allgemeines Krankheitsgefühl, starker Schwindel etc.). Allerdings scheinen sich noch stärkere Nebenwirkungen des Metroprolol nach und nach bemerkbar zu machen.

Innerhalb der letzten zwei Jahre nahm er ca. 30 kg zu und das Gewicht klettert stetig langsam weiter (aktuell um die 145 kg bei einer Körpergröße von 1,80 m).

Er bekommt bei sehr geringer Anstrengung (z. B. Treppensteigen) nach kurzer Zeit kaum Luft. Ich spreche hier von max. 10 Stufen. Wir haben uns auch gemeinsam im Fitnessstudio angemeldet. Nur leider ist er körperlich nicht in der Lage die Übungen bei geringer Intensität durchzuführen.

Die einzige Option sind Spaziergänge. Täglich ca. 1 Stunde und möglichst ausgeglichenes Essen (z.Zt. purinarm wegen Übersäuerung gem. aktuellem Blutbild vom 28.05.18 und Muskel-/Gelenkbeschwerden). Das purinarme Essen gab es aber bereits schon lange vor dem Blutbefund, da der Fleisch- und Fischkonsum bei uns generell sehr reduziert ist und auch kein Alkohol getrunken wird.

Auf Grund dieser ganzen Beschwerden ist er zurzeit nicht mehr in der Lage seinem Beruf nachzugehen. In dieser Intensität seit ca. August 2017.

Hinzugezogen wurde hier bereits der Kardiologe, Allgemeinmediziner, Pneumologe.

Die Grundaussage von allen Ärzten:
Sie sind gesund. Ihr Herz funktioniert einwandfrei, Lungenfunktion sogar überdurchschnittlich gut, Lungenröntgenbild o.B. akt. v. 24.05.18, keine Allergien, Blutbild zeigt eine Übersäuerung aber noch keine Gicht (tendenziell eine Entwicklung dahin), Leberwerte auf Grund der Medikamente erhöht.

Und ganz klar erhöhte Blutfettwerte...

Klare Aussage aller Ärzte: Abnehmen

Mittlerweile schlägt das alles eher in Resignation um.

Hier nun zu meinen Fragen:
1.) Wie kann er unter diesen Voraussetzungen Gewicht abnehmen?
2.) Welche Schritte kann man noch unternehmen um herauszufinden, was genau mit ihm los ist? Denn irgendetwas anderes muss hier noch hinter stecken.
3.) Gibt es andere Alternativen zu den Beta-Blockern?
4.) Wie kann er seine Lebensqualität wieder erhöhen?

Dr. med. Jürgen Fritsch
05.06.2018, 08:18 Uhr

Sehr geehrte Sonja,

das gesundheitliche Hauptproblem ihres Lebensgefährten wird das extreme Übergewicht sein. Jede Zelle des Körpers will versorgt werden und das mit einem Herz-Kreislaufsystem, das für 75-80 kg Körpergewicht ausgelegt ist. Kein Wunder, dass dieses System extrem belastet ist und mit erhöhtem Blutdruck und erhöhter Herzfrequenz reagiert. Das wichtigste Ziel ist also eine Gewichtsreduktion. ß-Blocker wie Bisoprolol oder Metoprolol sind da eher kontraproduktiv, da sie die Gewichtsabnahme eher noch erschweren. Alternative wäre ein so genannter Calciumantagonist oder wenn es nur um die Senkung der Pulsfrequenz geht Ivabradin. Allerdings hat das Präparat dafür keine offizielle Zulassung. Es wäre dann eine Verwendung außerhalb der Verordnungsfähigkeit der gesetzlichen Krankenkassen.
Zu 1.) Nehmen Sie Kontakt zu einem Adipositaszentrum auf. Dort bestehen umfassende Möglichkeiten der Beratung (Ernährungsberatung, psychologische Betreuung, Sporttherapie usw.)
zu 2.) Ich glaube ihr Lebensgefährte ist ausreichend untersucht. Weitere Untersuchungen werden keine neuen Erkenntnisse zu Tage fördern.
Zu 3.) Siehe oben
zu 4.) Die Lebensqualität wird sich erhöhen, wenn sich die Gesamtsituation verbessert. Dazu sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, wie sie vermutlich in einem Adipositaszentrum durchgeführt werden können.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Jürgen Fritsch

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