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Herzrhythmusstörungen

Autor
Datum
zagreb1988
07.04.2016, 21:38 Uhr

Guten Abend,

Ich hoffe sie können mir helfen Sie sind meine letzte Hoffnung auf eine neutrale Meinung.

Ich bin 27 Jahre alt / Männlich / 1,75m groß und wiege 120kg. Die ich im letzten Jahr drauf bekommen habe. Also ziemlich zugenommen habe. Medikamente seit circa 7 Jahren: L-Thyroxin 100, seit circa 2 Jahren Bisoprolol 1,25 mg. Ich habe schon seit circa 3 Jahren eine komische Benommenheit. Außerdem habe in der zeit Herzrhythmusstörungen bekommen die aber nur circa 2 Minuten angehalten haben. Die aber einmal beim Schuhe schnüren und einmal beim schnellen aussteigen aus dem Auto passiert sind.

Seit dem hat mir meine Hausärztin Bisoprolol 1,25 mg verschrieben. Danach hatte ich solch lange Rhythmusstörungen nicht mehr. Was ich aber bekommen habe ist eine sehr starke extrasystole die bis in den Hals spürbar ist sowie mir ziemlich schlecht wird. Also mir wird für eine mini Sekunde schwarz vor den Augen. Solche extrasystolen hatte ich im letzten Halben Jahr circa 8-10 mal. Würde noch nicht im ekg aufgenommen.

Jetzt habe ich aber vor zwei Wochen zu Ostern gefeiert ziemlich viel Alkohol getrunken sowie geraucht. Am Morgen danach wurde ich von Herzrhythmusstörungen aufgeweckt die nicht mehr aufgehört haben. Kurz versucht Sie mit kaltem Wasser zu stoppen hat nicht wirklich geklappt. Dan ins Krankenhaus gefahren mit Todesangst. Wurde natürlich im Krankenhaus erstmal nicht ernst genommen bis sie ein ekg gemacht haben. Dan haben Sie mich sofort in die Intensivstation gebracht und versucht mit 4 Ampullen adenosin eine Änderung der schmalkomplextachykardie zu erreichen. Erst nach der Gabe von ingesamt 600 mg Amiodaron konvertierte ich nach 18 Stunden in den Sinusrhytmus.

Dieser Tag hat mein Leben verändert ich habe seit dem das Rauchen aufgegeben und kein Tropfen Alkohol getrunken.

Das Krankenhaus wo ich in der Intensivstation war hat mir eine sofortige Ablation empfohlen. Mein Kardiologe hat mir das Gegenteil empfohlen ich soll erstmal mein Leben ganz normal weiterleben und erst wenn das öfters passieren sollte das ich die Ablation mache.

Was denken Sie was soll ich machen? Ich war nochmal bei einem dritten Kardiologen der mich mit einem Echo untersucht hat also das Herz und die Halsschlagadern.

Es ist alles gesund und es besteht kein sichtbarer Herzfehler. Jetzt habe ich aber nach zwei Wochen Unauffälligkeit des Herzens wieder diese starke Extrasystole erhalten und hab natürlich wieder einen psychologischen Rückfall erhalten weil ich gehofft habe durch meinen Änderungen meines Lebensstiles kein Rhythmusstörungen zu erhalten. Darum habe ich leider wieder gegoogelt und bin auf die zwei Syndrome Long qt Syndrom sowie Brugada Syndrom gekommen. Jetzt habe ich totale Todesangst.

Habe meine Kardiologen angerufen und gefragt ob das bei mir infrage kommen könnte. Die Aussage der Kardiologen war das der Long qt Syndrom durch mein ekg ausgeschlossen ist.

Kann Mann das im ekg ausschließen?

Doch das Brugada Syndrom nur durch eine Epu ausgeschlossen werden kann. Stimmt das?

Sowie ich mich informiert habe ist das Brugada Syndrom doch vererbbar oder?

Den bei mir an der Familie hat das zum Glück noch keiner gehabt. Könnte ich diese Syndrome haben?

Ich habe totale Angst vor der ablation. Man geht immerhin mit einem Katheter in mein Herz. Ich würde das erstmal nicht machen wenn es bei mir keine Lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen sind.

Alle Ärzte haben mir auch bestätigt das es keine Lebensbedrohliches Störungen sind. Doch diese Extrasystole machen mir ziemlich Angst. Kann es sich bei denen um eins von diesem Syndromen handeln?

Was würden Sie mir raten zu machen?

Prof. Dr. med. Thomas Klingenheben
12.04.2016, 00:26 Uhr

Hallo Zagreb1988

Also, als erstes kann ich Sie mal wirklich beruhigen: sie haben ganz sicher nichts lebensgefährliches - vor allem kein Brugada und kein Long-QT, das ist nämlich 1. total selten, und 2. hätte man bei Ihnen Hinweise darauf im EKG gefunden und/oder in der Familiengeschichte.

Was Sie haben, sind 2 harmlose Sachen.

1) Extraschläge. Die haben viele (gesunde) Menschen (ich übrigens auch) aber sie machen leider bei manchen Leuten wie bei Ihnen ganz starke Beschwerden.

2) Das Herzrasen. Das beruht bei Ihnen sehr wahrscheinlich tatsächlich auf einer angeborenen Leitungsbahn. Und dieses Herzrasen wird typischerweise von den Extraschlägen ausgelöst.
Die langsam leitende Leitungsbahn kann man in der Regel sehr erfolgreich durch Verödung (Ablation) behandeln (Erfolgsaussicht 90%). Wir wissen, dass Betablocker wie das Bisoprolol diese Form von Herzrasen leider nur schlecht verhindert. Das heißt es kann wieder mal auftreten.
Deshalb sollte man im Falle von starkem Leidensdruck die Ablation machen lassen.

Damit ist aber erstmal nur das Herzrasen weg, nicht die Extraschläge. Auch die kann man gelegentlich durch Ablation behandeln, aber nur mit etwa 80% Erfolg. Die meisten Menschen gewöhnen sich einfach irgendwann an die Extraschläge, besonders wenn diese dann kein Herzrasen mehr auslösen könnten.

Beides, Extraschläge und Herzrasen SIND ALSO NICHT LEBENSBEDROHLICH, aber sie können leider sehr starke Symptome machen. Nur dann sollte man eine Ablation machen.

MfG
T. Klingenheben

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