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Herzstolpern und andere Symptome

Autor
Datum
HoneyBadger
21.08.2018, 10:33 Uhr

Schönen guten Tag,
ich wende mich an Sie mit einer Frage zu meiner Symptomatik der letzten 6 Monate. Alles begann mit einem Zwicken im linken Rippenbogen kurz vor Weihnachten letzten Jahres. Es trat in Ruhe auf und war lokal sehr begrenzt. Da ich seit meiner Jugend spontan auftretendes Herzrasen habe (überwiegend beim Sport während Übungen mit Pressatmung) und mir mein Hausarzt damals versichert es sei unbedenklich nahm ich das Zwicken zum Anlass einen Rundumschlag bzgl. einer eingehenden Diagnostik zu machen. Ich habe Anfang diesen Jahres demnach ein LZ-EKG machen lassen und die Tachykardie hierbei gezielt provoziert. Nach einer Überweisung zum Kardiologen erfolgte die Diagnose: Verdacht auf AV-Knoten Re-entry Tachykardie mit frequenzabhängigem Schenkelblock.
Diese Diagnose hat mir zum damaligen Zeitpunkt erschüttert, zumal es auch nicht erläutert wurde was es im konkreten Fall bedeutet. Ich habe mir anschließend eine zweite Meinung eines weiteren Kardiologen eingeholt welcher die Diagnose bestätigte. Beide fertigten ein Herzecho an und konnten darüber hinaus keine Auffälligkeiten feststellen. Um den Zeitpunkt der ersten Diagnose fing es an, dass ich beim Aufstoßen ein Brennen (vom Gefühl her kein Sodbrennen) in der linken Brust verspürte und eines Morgens einen einmaligen Anfall von Panik mit einhergehendem Kreislaufabfall erlitt (sehr einschneidendes Erlebnis/Dauer 45 Minuten).
Nach erneutem Ruhe-EKG, umfangreichem Blutbild und Schilddrüsen Ultraschall wurde es als psychosomatische Symptomatik "abgetan" (Panikattacke). Behandlung mit Antidepressiva erfolgte und verschlimmerte meine Nervosität eher noch. Stiche in der linken Brust kehrten zurück. Antidepressivum wurde dann in Absprache mit dem behandelnden Arzt ausgeschlichen. Durch die anhaltende innere Unruhe kam Herzstolpern mit hinzu (diese waren nicht von Anfang an Teil der Symptome) und zwar in einer Form das ich hin und wieder wirklich hochgeschreckt bin und ein Fluchtreflex ausgelöst wurde (Gefühl plötzlichen Fallens).
Im März diesen Jahres erfolgte die Vorstellung in der Rhythmologie eines Klinikums. Nach erneutem EKG wurde die Ablation der Rythmusstörung im April erfolgreich durchgeführt. Im Vorfeld erfolgte eine Behandlung mit niedrig dosiertem Beta-Blocker und brachte eine erhebliche Besserung des Herzstolperns.
Geänderte Diagnose lautete nach der EPU: supraventrikuläre Tachykardie mit teilweisem Bild eines Linksschenkelblocks.
Wegen dem Verdacht auf KHK wegen dem frequenzabhängigen Blockbild erfolgten ein weiteres Herzecho und ein Kardio CT. Beides ohne Auffälligkeiten.
Nach der Ablation bin ich frei von Tachykardien beim Sport. Was allerdings geblieben ist sind die Herzstolperer und das Misstrauen in das eigene Herz. Es folgte eine Psychotherapie die half die Angst vor der Angst zu nehmen. Nichts desto trotz habe ich hin und wieder in absoluter Ruhe (beim konzentrierten Arbeiten) das Gefühl dieser Herzaussetzer mit aufsteigender Panik. Ein weiteres LZ-EKG und Ruhe EKG zur Kontrolle in der vergangenen Woche waren ebenfalls ohne Auffälligkeiten (Ich bin da wohl immer sehr nervös, weshalb auch der Ruhepuls dementsprechend höher ist).
Mittlerweile bin ich wieder sportlich sehr aktiv und fühle mich abgesehen von den Symptomen auch fit (3-4 Mal die Woche Sport und mit dem Fahrrad zur Arbeit). Während des Sports geht es mir i.d.R. sehr gut. Mein Ruhepuls liegt bei etwa 65 bpm, kann jedoch auch kurzzeitig mal auf 56 bpm fallen ohne dass hier Veränderungen von mir wahrgenommen werden.
Blutdruck liegt morgens bei 125/75 mittags sind es eher 135/85.
Meine Frage ist nun im Hinblick auf meine "Krankengeschichte" ob die durchgeführte (sehr umfangreiche) Diagnostik ausreicht um etwaige Ursachen am Herzen komplett auszuschließen? Kann das Herzstolpern, welches ich nie in dieser Form hatte, ein durch Angst ausgelöstes Symptom sein, welches bestehen bleibt? Werden Elektrolytverschiebungen durch ein Blutbild ausreichend erkannt?
Es fällt mir sehr schwer zu glauben das die Symptome psychosomatisch bedingt sind obwohl mir bewusst ist das ich eingehend untersucht worden bin.
Vermutlich hilft es mir schon das ich hier einmal den gesamten Zusammenhang darlegen kann, da ich die Erfahrung gemacht habe das sobald "psychosomatisch" in einer Akte auftaucht kein Arzt mehr die Geduld hat sich alles anzuhören.
weitere Symptome seit Anfang des Jahres:
-wiederkehrend kurzzeitig gerötete Augen
-Landkartenzunge
-Anhaltender weicher Stuhlgang
-verschleimter Rachenbereich (gelegentlicher weißlicher zähflüssiger Auswurf)
-Starkes Knacken im Bereich der BWS
Vielen Dank für die Zeit diesen Text zu lesen und mir eine kurze Antwort zukommen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen

angelika.guth
23.08.2018, 10:14 Uhr

Lieber (liebe) HoneyBadger,
was Sie beschreiben ist ein sehr typischer Verlauf, wie ihn leider viele Patienten erleben. Die Veränderung, die Sie zunächst am Herzen haben ist relativ häufig und muss nur dann behandelt werden, wenn die Patienten häufige Episoden mit Herzrasen haben oder sehr darunter leiden, was bei Ihnen zuletzt ja auch der Fall war. Die Ablation verlief offensichtlich erfolgreich, da das Herzrasen danach weg war.
Was übrig bleibt, ist die Angst, die aus der entstandenen Verunsicherung resultiert (Das passiert leider oft, wenn die Patienten nicht sehr ausführlich über ihren - harmlosen- Befund aufgeklärt werden). Diese Angst führt dazu, dass die Aufmerksamkeit mehr als üblich auf Veränderungen am Herzen gelenkt wird. Man nimmt alles ganz anders wahr und macht sich über Dinge Gedanken, die man vorher gar nicht bemerkt hat. Die Kunst ist es, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu bekommen.
Ja, bei Ihnen wurde alles an Untersuchungen gemacht, was nötig ist um eine behandlungsbedürftige Herzerkrankung auszuschließen. Herzmuskel und Herzklappen können gut im Echo beurteilt werden. Durch das CT wurde eine Arteriosklerose ausgeschlossen. Somit ist der Schenkelblock als harmlos einzustufen.
Die einzelnen Zusatzschläge, die Sie bemerken, werden durch Stress (wie er auftritt, wenn wir uns viel Gedanken um unsere Gesundheit machen) begünstigt. Sie sind harmlos und verschwinden in aller Regel von ganz alleine wieder, wenn man Ihnen keine Beachtung schenkt. Oft hilft auch ein bisschen Magnesium.
Sie dürfen Ihrem Körper wieder vertrauen, ihr Herz wurde gründlich untersucht. Ich selbst habe auch immer mal wieder leichtes Herzstolpern, da ich weiß, dass das sein darf, mache ich mir keine Gedanken und das Herzstolpern wird von mir anders - nämlich als harmlos wahrgenommen und es stört mich deshalb nicht.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

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