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Nächtliches Herzrasen

Autor
Datum
NF2018
27.03.2018, 19:20 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen in Sorge um meine Mutter. Eckdaten: 73 Jahre, keine kardiologischen Vorerkrankungen, Jahrzehnte Einnahme von Pantoprazol und Hormonen, Blutdruck im Bereich 120/60 oder 100/60.

Nach zweimaliger Cortisonspritze im Dezember 2017 aufgrund von Wirbelsäulenproblemen traten Anfang Januar Nachtschweiß und Atemnot auf.

Erster Krankenhausaufenthalt am 02.01.18 mit Herzkatheter Untersuchung, bei der eine Koronarsklerose, 40-50% RCA Stenose festgestellt und eine medikamentöse Therapie mit weiterhin Pantprazol, ASS 100mg, Atorvastitin 20mg und Bisoprolol 1,25mg verordnet wurde.
Letzteres wurde beim 2. Krankenhausaufenthalt Mitte Februar umgestellt auf Nevibolol, nachdem meine Mutter nächtliches Herzrasen beklagte. Sie setzte die Hormone ab.

Es folgte im März ein weiterer Krankenhausaufenthalt mit mehreren Langzeit-EKGs, bei denen Vorhofflimmern festgestellt und eine Ablation der Pulmonalvenen durchgeführt wurde. Die Medikation wurde verändert auf: Xarelto 20mg, Pantoprazol 20mg, Atorvastatin 20mg, Nebivolol 5mg. Als das nächtliche Herzrasen nicht aufhörte, bekam sie anstelle von Nebivolol Amiodaron 200mg, welches aber zu noch mehr Herzrasen führte und welches sie nach 2 Tagen absetzte.

Da sie weiterhin nächtliches Herzrasen hat, kaum schläft (auch nicht mit Tavor), nun meine Fragen: Welche weiteren oder anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Entsteht das nächtliche Herzrasen und die Luftnot durch zu niedrigen Blutdruck und sollte sie lieber das Nebivolol absetzen? Denn in der Packungsbeilage steht, dass man es bei niedrigem Blutdruck nicht nehmen sollte.

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

NF2018

Dr. med. Karl-Friedrich Schmitz
28.03.2018, 16:58 Uhr

Sehr geehrter Nutzer dieses Forums,

vielen Dank für die Frage, deren Beantwortung ohne Kenntnis von Details und aktueller klinischer Befunde schwierig ist. Grundsätzlich erscheint mir nach ihren Angaben am ehesten ein erneutes nächtliches Vorhofflimmern für die Beschwerden verantwortlich.
Daher würde ich zwei Dinge mit Ihren behandelnden Ärzten besprechen:

1. Ein nur zweitägiger Behandlungsversuch mit Amiodaron ist sicherlich nicht geeignet, Phasen von Vorhofflimmern zu beseitigen, da Amiodaron nur sehr langsam anflutet und eine sogenannte "Aufsättigung" mit erhöhten Anfangsdosen erforderlich ist. Daher sollte eine längere und ausreichende Dosierung des Medikamentes überlegt werden.

2. Nach einer Ablation kann es durchaus zu Rezidiven des Vorhofflimmerns kommen, so dass Sie mit den Elektrophysiologen einen Zweiteingriff überlegen sollten. Dieser hat sicherlich noch einmal gute Aussichten, die Rhythmusstörungen zu beseitigen.

Dringend würde ich davon abraten, ohne Absprache mit den Kardiologen Medikamente abzusetzen und/oder zu verändern.

In der Hoffnung, Ihnen helfen zu können

Mit freundlichem Gruß

K.F. Schmitz

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